Wie wirkt sich die Teilzeitbeschäftigung in der Schweiz auf die Sozialsysteme aus? - zentraljob.ch
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Wie wirkt sich die Teilzeitbeschäftigung in der Schweiz auf die Sozialsysteme aus?

Veröffentlicht am 27.07.2023 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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Seit längerer Zeit gibt es in der Schweiz Kritik an dem recht hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten. Er liegt seit mehr als zehn Jahren konstant bei 35 Prozent. Es heisst, dass Teilzeitbeschäftigte von den Sozialsystemen profitieren. Dies mitunter auch bewusst. Doch ist das wirklich der Fall?
Sozialsysteme in der Schweiz sind für die Vollbeschäftigung konzipiert

Das Sozialsystem in der Schweiz sieht einige Vergünstigungen für Menschen mit einem geringen
Einkommen vor. So müssen sie nicht so viel Geld in die IV und in die AHV einzahlen. Dies sind Versicherungen, die für alle Bürger obligatorisch sind. Die Prämie für die Versicherungen
bemisst sich am Einkommen. Ist dieses niedriger, sinken auch die Kosten.

Kritik kommt im Zusammenhang mit der Prämienverbilligung für die Krankenversicherung auf: Hier sieht das Syste eine Unterstützung für Geringverdienende vor. Massgeblich ist eigentlich die Vollbeschäftigung. Ziel ist es, Einkommensschwache zu unterstützen. Aufgrund der Reduzierung des Einkommens durch eine geringere Stundenzahl fallen aber auch viele Teilzeitbeschäftigte in die Regelung. Dies sorgt für Kritik und den Vorwurf, die Beschäftigung würde nur deshalb angestrebt werden.

Änderungen des Systems für Teilzeitbeschäftigte

Der Ruf nach Änderungen für Teilzeitbeschäftigte wird lauter, doch die Politik hat sich zu der Diskussion noch nicht auf einem offiziellen Weg geäussert. Es gibt auch hier Kritik, doch eine öffentliche Stellungnahme zu der Debatte steht noch aus. Es stellt sich die Frage, ob die Änderungen zielführend sein würden. Viele der Teilzeitbeschäftigten haben die Vorteile gar nicht im Blick.

Teilzeitbeschäftigung nicht wegen des sozialen Systems

Umfragen zufolge basiert die Entscheidung für die Teilzeitarbeit auf ganz anderen Gründen. So sind den Beschäftigten Zeit für die Familie und für die Betreuung von Angehörigen wichtig. Auch die Work-Life-Balance mit dem Abbau von Stress stehen im Mittelpunkt der Entscheidung.

Somit kann davon ausgegangen werden, dass Änderungen nicht zu einem Anstieg der Vollzeitbeschäftigung führen würden. Familien würden benachteiligt werden, wenn beide Eltern in Teilzeit arbeiten. Aus diesem Grund steht im Raum, die Änderung nur für Teilzeitbeschäftigte ohne Familie anzustreben. Ob das gerecht und durchsetzungsfähig ist, bleibt derzeit offen.

Gutes Auskommen mit weniger Geld

Ein weiterer wichtiger Grund für die Teilzeitbeschäftigung ist die Erkenntnis, dass weniger Geld zum Leben ausreichend ist. Gleichermassen steigt die Lebensqualität. Für die Sozialsysteme bedeutet dies, dass sie weniger Einnahmen generieren. Die Beiträge bemessen sich am Einkommen. Teilzeitbeschäftigte bekommen jedoch identische Leistungen.

Da die Kritik an den Auswirkungen der Teilzeitbeschäftigung anhält, ist anzunehmen, dass Diskussionen auf höherer Ebene geführt werden müssen. Dennoch wird der Anteil der Teilzeitbeschäftigung aller Voraussicht nach nicht sinken, weil die Gründe für die Reduzierung der Arbeitszeit nicht mit den Vorteilen durch die Sozialsysteme begründet sind.