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Wie wirkt sich die Inflation auf die Löhne aus?

Veröffentlicht am 31.03.2022
Wie wirkt sich die Inflation auf die Löhne aus?
Die Corona-Politik zeigt Nebenwirkungen. Eine davon ist die weltweit steigende Inflation. Dabei gehört die Schweiz zu den Ländern, die im internationalen Vergleich gut dasteht. War die Jahresteuerung im Sommer 2020 auf bis -1,3 Prozent gefallen, lag die Inflationsrate nach Angaben des Bundesamtes für Statistik (BFS) in den Monaten November und Dezember 2021 bei +1,5 Prozent. Doch was bedeutet Inflation eigentlich, und wie wirkt sie sich auf die Löhne aus? Das und mehr erfahren Sie hier!
 
Was bedeutet Inflation, und wie wirkt sie sich aus?

Zunächst einmal bedeutet Inflation eine Teuerung. Das bedeutet, dass die Preise für Produkte steigen. Das wirkt sich unmittelbar auf die Verbraucher aus. Zahlen Sie beispielsweise heute für ein Kilo Brot 2 Franken, kann es morgen bereits 2,50 Franken kosten. Während Sie heute für 10 Franken noch 5 Kilo Brot erhalten, bekommen Sie morgen nur noch 4 Kilo Brot. Anders ausgedrückt: Ihr Geld verliert infolge einer Inflation an Wert.

Die Auswirkungen der Inflation auf den Lohn

Steigen die Löhne nicht im selben Tempo wie die Inflation, heisst das, dass Sie sich für Ihren Lohn weniger leisten können. Dabei handelt es sich um den sogenannten Reallohn, der infolge der Inflation sinkt. Im Gegensatz dazu ist der Nominallohn der Lohn, der im Arbeitsvertrag vereinbart wurde und den Sie monatlich ausgezahlt bekommen. Selbst wenn der Nominallohn im selben Masse steigt wie sich die Produkte verteuern, haben Sie zwar mehr Geld auf Ihrem Konto. Allerdings können Sie damit wegen der gestiegenen Preise nicht mehr anfangen. Denn obwohl der Nominallohn gestiegen ist, bleibt der Reallohn gleich. Die Verschlechterung der finanziellen Lage trifft insbesondere in Bezug auf die Kaufkraft zu.

Umgekehrt gibt es jedoch auch Bereiche, in denen sich die Inflation vorteilhaft auswirkt, zum Beispiel in Verbindung mit Schulden. Kreditnehmer müssen durch den durch die Inflation bedingten Kaufkraftverlust weniger zurückzahlen, als sie durch den Kredit erhalten haben. Das bedeutet, dass sich die Inflation für Schuldner günstig auswirkt, während sie für Gläubiger nachteilig ist.

Was sind die Ursachen einer Inflation?

Es gibt unterschiedliche Theorien bezüglich der Ursachen einer Inflation, die sich jedoch nicht gegenseitig ausschliessen.

Ursachen einer Inflation:
  • Eine Theorie benennt die Geldmenge als Ursache für die Inflation. Wird beispielsweise mehr Geld gedruckt und bringt die Schweizerische Nationalbank (SNB) mehr Schweizer Franken in Umlauf, steht für die gleichen Produkte eine grössere Geldmenge zur Verfügung. Die Folge ist, dass die Preise für die einzelnen Produkte steigen. Die Geldmengentheorie gilt heute in etwas modifizierter Form. Danach richtet sich der Fokus nicht auf die Geldmenge, sondern auf die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
  • Eine andere Theorie konzentriert sich auf die Nachfrage nach Gütern. Steigt die Nachfrage und kann die Produktion nicht Schritt halten, steigen die Preise. Wird ein Produkt knapp, kann der Anbieter mehr Geld verlangen, weil die Nachfrage das Angebot übersteigt.
  • Auch die Angebotsseite kann für eine Inflation verantwortlich sein. Steigen die Kosten für die Produktion, erhöhen sich die Produktionskosten. Um diese Kostenentwicklung auszugleichen, geben Unternehmen die höheren Produktionskosten in Form einer Preiserhöhung der verkauften Produkte an den Verbraucher weiter.
  • Eine Steigerung der Inflationsrate kann auch durch eine Änderung des Wechselkurses verursacht werden. Sinkt beispielsweise der Kurs des Schweizer Franken gegenüber dem des Euros, werden Exporte günstiger, während Importe teurer werden.

Die Corona-Krise hat die inflationäre Entwicklung begünstigt. War die Jahresteuerung im Sommer 2020 auf -1,3 Prozent gefallen, bewegt sich die Inflation seit April 2021 wieder im positiven Bereich mit Werten um +1,5 Prozent Ende 2021.

Die geldpolitische Strategie der Schweizerischen Nationalbank

Aufgabe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist, Preisstabilität zu gewährleisten. Mithilfe eines geldpolitischen Konzeptes kann sie Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung nehmen. Insoweit definiert sie Preisstabilität, setzt den SNB-Leitzins fest und gibt eine mittelfristige Inflationsprognose ab.
  • Festsetzung des Leitzinses: Ziel ist zu erreichen, dass die kurzfristigen Geldmarktzinssätze nahe am Leitzins der SNB liegen.
  • Mittelfristige Inflationsprognose: In den Monaten März, Juni, September sowie Dezember führt die SNB eine vertiefte geldpolitische Lagebeurteilung durch. Ergebnis sind die Veröffentlichung einer mittelfristigen Inflationsprognose und ein Zinsentscheid.
  • Preisstabilität: Die SNB versucht durch ihre Geldpolitik, die Preise möglichst stabil zu halten und die Inflation zu kontrollieren. Eine Inflation gilt als stabil, wenn sie unter zwei Prozent liegt.
Um die Inflation unter zwei Prozent zu halten, steuert die SNB die Geldmenge. Das bedeutet, dass bei steigender Inflation die Geldmenge geringer wird. Handelt es sich umgekehrt um eine deflationäre Entwicklung, wird die Geldmenge erhöht. Dies geschieht über sogenannte Repogeschäfte, die auch "Rückkaufvereinbarung" oder Repurchase Agreement" genannt werden. Das sind Transaktionen am Finanzmarkt, bei denen Wertpapiere verkauft und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückgekauft werden. Soll die Geldmenge verkleinert werden, verkauft die SNB Wertpapiere und erhält dafür Geld, das dem Markt nicht mehr zur Verfügung steht. Soll die Geldmenge vergrössert werden, kauft die SNB Wertpapiere.