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Kündigungsfristen in der Schweiz - Diese rechtlichen Vorgaben müssen Sie beachten

Veröffentlicht am 28.09.2020
Kündigungsfristen in der Schweiz - Diese rechtlichen Vorgaben müssen Sie beachten
In Sachen Kündigung, Kündigungsfristen und Sperrfristen schlägt die Schweiz einen Sonderweg ein. Im Gegensatz zum Beispiel zu Deutschland (Kündigungsschutzgesetz; KSchG) herrscht in der Schweiz der Grundsatz der Kündigungsfreiheit. Nachfolgender Text gibt Ihnen die wichtigsten Fakten rund um das Thema Kündigungsfristen in der Schweiz. 
Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können jederzeit von Ihrem Recht Gebrauch machen, den bestehenden Arbeitsvertrag zu kündigen. Handelt es sich dabei um eine ordentliche Kündigung, müssen für die Kündigung keine triftigen Gründe angegeben werden. Eine weitere Besonderheit im Vergleich zu den Verhältnissen in Deutschland (§ 623 des Bürgerlichen Gesetzbuchs; BGB) stellt die Möglichkeit dar, dass Kündigungen nicht nur in schriftlicher, sondern auch in mündlich Form erfolgen können. Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen dabei allerdings bestimmte Fristen einhalten, die sich an den absolvierten Dienstjahren orientieren.

Kündigungsfristen: Vertragliche Vereinbarungen gehen vor gesetzlichen Fristen
Der Gesetzgeber macht hier konsequente Vorgaben. Demnach ist im ersten Dienstjahr eine Kündigungsfrist von einem Monat vorgesehen, während bei einer Betriebszugehörigkeit zwischen zwei und maximal neun Jahren eine Kündigungsfrist von zwei Monaten anfällt. Sind Sie mindestens zehn Dienstjahre in einer Firma beschäftigt, beträgt die gesetzliche Kündigungsfrist dann insgesamt drei Monate. Diese gesetzlichen Vorgaben sind aber nur in dem Moment verbindlich, wenn Sie nichts anderes mit Ihrem Arbeitgeber vertraglich vereinbart haben. So wird in der Praxis bei Führungskräften oftmals eine sechsmonatige Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag festgehalten.

Kündigungsfristen gelten immer erst ab Monatsende
Ob gesetzlich oder vertraglich vereinbarte Umsetzung - die Kündigung und damit auch die Kündigungsfristen gelten immer erst ab Monatsende. Erhalten Sie also zum Beispiel die Kündigung am 2. November, gelten die Kündigungsfristen erst ab dem 30. November. Allerdings beginnt die Kündigung bereits ab dem Zeitpunkt, wenn der jeweilige Empfänger (also Arbeitgeber oder Arbeitnehmer) von der Kündigung in Kenntnis gesetzt wird.

Freistellung möglich trotz Kündigungsfristen
Viele Unternehmen in der Schweiz stellen im Falle der Kündigung insbesondere Führungskräfte und leitende Angestellte direkt frei. Obwohl die Betroffenen in einem solchen Fall sofort von ihrer Arbeitspflicht gegenüber dem Arbeitgeber entbunden sind, wird der Lohn selbstverständlich so lange weitergezahlt, bis der Arbeitsvertrag gemäss der Kündigung und unter Berücksichtigung der Kündigungsfristen ordentlich beendet wird. Tritt innerhalb einer laufenden Kündigungsfrist eine Krankheit auf oder kommt es zu einem Unfall, beeinflusst dies nicht die Wirksamkeit der Kündigung. Dafür verlängern sich aber die Kündigungs- bzw. Sperrfristen. Folgende Regelung greift in diesem Moment:
  • 30 Tage Kündigungsfrist im ersten Dienstjahr
  • 90 Tage Kündigungsfrist vom zweiten bis zum fünften Jahr der Betriebszugehörigkeit
  • 180 Tage Kündigungsfrist ab dem sechsten Dienstjahr
Auch diese Sperrfristen kommen zum Tragen
Steht eine Mutterschaft bevor, geniessen Sie während der gesamten Schwangerschaft und zusätzlich noch in den 16 Wochen nach der Geburt eine Sperrfrist in Bezug auf eine Kündigung. Zudem gibt es einen besonderen Passus hinsichtlich des obligatorischen Militär- und Zivilschutzdienstes. Denn auch in diesem Zusammenhang verlängert sich die Kündigungszeit während des Dienstes. Dauert demnach der Dienst länger als elf Tage, gilt die Verlängerung der Kündigungsfrist auch für vier Wochen vor Dienstantritt und für vier Wochen nach Dienstende. Außerdem gilt eine Sperrfrist, wenn Sie im Zeitraum der Kündigung im Ausland an einer Hilfsaktion teilnehmen, die von einer Bundesbehörde initiiert wurde.

Gibt es auch eine Kündigungsfrist bei einer fristlosen Kündigung?
Bei einer fristlosen Kündigung müssen keine Kündigungsfristen eingehalten werden. Der Arbeitgeber und auch der Arbeitnehmer können fristlos kündigen. In diesem Fall kommt es direkt zur Trennung und das Arbeitsverhältnis wird mit sofortiger Wirkung beendet. Gemäss Art. 337 OR (Obligationenrecht) müssen allerdings besondere Gründe für eine Kündigung vorliegen. Typische Gründe für eine fristlose Kündigung sind - je nach Kündigungspartei - zum Beispiel schwere Beleidigungen, körperliche Gewalt, Bestechung, ausbleibende Lohnzahlungen oder sexuelle Übergriffe.

Das Gesetz definiert nicht klar alle Gründe für eine fristlose Kündigung
Hierbei sollten Sie allerdings berücksichtigen, dass in der Schweiz die genauen Gründe nicht in jedem Fall im Gesetz aufgezählt werden. Daher wird der jeweilige Einzelfall oft eigenständig beurteilt. Eine fristlose Kündigung lässt sich unter Umständen anfechten. Widersprechen Sie als gekündigtem Arbeitnehmer der fristlosen Kündigung, kann dies aber nur in Form eines eingeschriebenen Briefes erfolgen. Als missbräuchliche Gründe für eine fristlose Kündigung gelten beispielsweise eine Kündigung aufgrund von Gewerkschafts- oder Parteizugehörigkeit, Rasse, Religion, Alter, Geschlecht oder auch sexueller Orientierung.