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Team-Events gelingen nur mit einer gewissen Team-Kultur

Veröffentlicht am 20.01.2020
Team-Events gelingen nur mit einer gewissen Team-Kultur
Team-Events können eine nützliche Massnahme sein, um den Zusammenhalt zu stärken und die Arbeit im Alltag zu verbessern. Dafür bedürfen sie allerdings einer gewissen Kultur und dürfen nicht nur als «Spielerei» gestaltet werden, die den wirklichen Verhältnissen nicht entspricht. Ansonsten werden sie den Umgang im Team nicht wesentlich positiv prägen.

Das Kulturebenenmodell nach Schein 
Das Modell des US-amerikanischen Organisationspsychologen Edgar Schein unterteilt Unternehmenskultur in drei Ebenen:
 
1. Grundannahmen - tief verwurzelte Dinge, die als selbstverständlich und gültig betrachtet werden, ohne sie zu hinterfragen, Dinge also, die nicht ins Bewusstsein dringen.
 
2. Kollektive Werte, Wissen und Methoden - Gefühle für richtig und falsch, Einstellungen, die das Verhalten der Mitarbeiter leiten.
 
3. Artefakte, Techniken, Werkzeuge - sichtbares Verhalten, Kommunikation untereinander, inneres und äusseres Erscheinungsbild eines Unternehmens.
 
Grundannahmen
Grundannahmen sind nicht leicht anzusprechen, weil sie nach dem Modell unbewusst ablaufen. Wird darüber diskutiert, finden sie den Weg ins Bewusstsein und müssen einer anderen Ebene zugeordnet werden. Trotzdem ist es von Bedeutung, sich darüber Klarheit zu verschaffen.
 
Für die Entwicklung einer Teamkultur kann man zwei Theorien zu Grunde legen. Die eine besagt, dass «die Menschen unwillig sind», die andere, dass «die Menschen engagiert sind». Folgt man der ersten Theorie, müssen Menschen zur Arbeit gezwungen werden, inklusive Lenkung und Kontrolle. Sie werden dann kein eigenes Engagement zeigen und nur ihre Aufgaben abarbeiten. Die zweite Theorie erfordert weit gesteckte Rahmenbedingungen, damit sich die Leistungsbereitschaft jedes Einzelnen frei entfalten kann. Die Mitarbeiter in einem Team folgen dann eigenen Antrieben und müssen auch nicht kontrolliert werden.
 
Diese Grundannahmen über Menschen bestimmen im Wesentlichen den Umgang innerhalb eines Teams. Eine wichtige Rolle nimmt dabei die Fehlerkultur ein. Wer ohne Gefahr Fehler begehen darf, kann auch darüber kommunizieren. Auf dieser Basis besteht die Möglichkeit, dass sich eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit entwickelt. Das Erstaunliche dabei ist, dass erfolgreiche Teams in der Regel mehr Fehler machen als weniger erfolgreiche. Das liegt an ihrem ganz anderen Umgang mit Fehlern, da diese als Chance und nicht als Misserfolg verstanden werden.
 
Kollektive Werte, Wissen und Methoden
Die Grundannahmen müssen sich in den kollektiven Werten und in der Praxis wiederfinden. Werden sie nur in «Sonntagsreden» dargestellt, nimmt kein Mitarbeiter sie Ernst. Es können sogar zynische Reaktionen auftreten, da Wunsch und Wirklichkeit nicht zusammenpassen. Auf diese Weise kann keine Glaubwürdigkeit entstehen.
 
Wer etwa Diversität in einem Team als wichtigen Wert predigt, muss dies auch bei der Besetzung berücksichtigen. Erfolgreiche Teams bestehen aus unterschiedlichen Charakteren und Typen, die auch jeweils unterschiedliche soziale Rollen einnehmen. In der Realität ist das leider häufig nicht der Fall. Stattdessen wird ausschliesslich auf fachliche Kompetenz geachtet, was aber selten zur Lösung von Konflikten oder zu einer offenen Kommunikation beiträgt.
 
Artefakte, Techniken, Werkzeuge
Die Methoden, Techniken und Werkzeuge der sichtbaren Ebene ergeben nur einen Sinn, wenn sie mit den anderen beiden Ebenen harmonieren. Diese Artefakte (nach Edgar Schein) beschreiben für jeden offensichtliche Handlungsmuster und Symbole, zu denen letztlich auch Team-Events gehören. Sie müssen mit den Grundannahmen und den kollektiven Werten übereinstimmen, um erfolgreich zu sein. Wenn sich Team-Events in «Kindergartenspielchen» verlieren, die keinen Bezug zum Arbeitsalltag haben, führen sie zu Demotivation und Enttäuschung bei den Beteiligten und wirken am Ende kontraproduktiv.
 
Für die Gestaltung von Team-Events hat sich das Phasenmodell für Teamarbeit des amerikanischen Psychologen Bruce Tuckman als nützlich herausgestellt. Er unterscheidet vier Phasen: Forming, Storming, Norming und Performing. In der Forming-Phase setzt sich das Team zusammen und lernt sich kennen. Die Storming-Phase ist geprägt von Konflikten und unterschiedlichen Grundannahmen. Die Norming-Phase dient der Klärung von Konflikten und der Entwicklung gemeinsamer Normen für die Zusammenarbeit. Die Performing Phase schliesslich führt zur maximalen Leistungsfähigkeit des Teams.
 
Eine Reflexion und offene Kommunikation dieser vier Phasen im Alltag kann dafür sorgen, dass auch Team-Events einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt und zur Effizienz eines Teams leisten können.