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In Zukunft keine Jobs mehr für Raucher?

Veröffentlicht am 09.01.2020
In Zukunft keine Jobs mehr für Raucher?
Wenn Sie Raucher sind und sich auf einen neuen Job bewerben möchten, stehen die Chancen in Zukunft schlechter. Immer mehr Unternehmen in der Schweiz richten ihre Stellenausschreibungen an Nichtraucher. Diskriminierung oder notwendiger Schritt? Hier lesen Sie, was es mit der Debatte auf sich hat und welche Argumente die jeweiligen Seiten vertreten.

Durch Tabakkonsum Produktionsausfälle in Milliardenhöhe
Nachdem der Ständerat seine Entscheidung zum Tabakgesetz kundgetan hat, facht die Veröffentlichung der Studie "Krankheitslast durch Tabakkonsum" erneut die Debatte um die gesundheitsgefährdenden Folgen von Rauchen an. Neben der Politik reagieren nun auch die Unternehmen. In Stellenanzeigen findet sich immer häufiger der Zusatz, dass nur Bewerbungen von Nichtrauchern erwünscht seien. Zufällig kommt der Trend nicht, denn jährlich sterben in der Schweiz 9500 Menschen an den Folgen des Rauchens. Andere haben durch den Konsum massive gesundheitliche Einschränkungen. Das ist auch ein wirtschaftliches Problem. Die Gesundheitskosten für Raucher belaufen sich auf drei Milliarden Franken jährlich. Unternehmen haben durch den Tabakkonsum zwei Milliarden Franken pro Jahr an Produktionsverlust zu vermelden. Lässt sich dieser Trend durch einen Einstellungsstopp von Rauchern aufhalten?

Nichtraucher sind produktiver
Nichtraucher und vielen Personalentscheider begrüssen die Entwicklung, die immer mehr in Richtung Bewerbungsverbot für Raucher geht. Schliesslich bedeutet jede Zigarettenpause einen Arbeitsausfall, der zulasten der Produktivität geht. Während die einen arbeiten, sind die anderen lustig am Rauchen. Da Tabakkonsum über die Jahre hinweg früher oder später für krankheitsbedingte Ausfälle sorgt, minimieren Unternehmen durch die Einstellung von Nichtrauchern durchaus gewissen Risiken. Zudem müssen keine Raucherzimmer oder Raucherbereiche eingerichtet werden und umständliche Modalitäten wie Zeiterfassung von Zigarettenpausen entfallen. Nichtrauchende Kollegen mögen sich freuen, denn an Kleidung haftender Tabakgeruch gehört auf diese Weise ebenfalls der Vergangenheit an.

Bewerberpool wird leerer
Konsequent gedacht, führen die Nichtraucher-Jobs dazu, dass viele Bewerber ihren nächsten Karriereschritt mit einer Lüge beginnen. Wer dann fahrig auf die Pause wartet, in der ein paar Häuserblocks weiter eine Zigarette angezündet werden kann und das Mundwasser immer griffbereit in der Schreibtischschublade liegt, ist zudem deutlich gestresster und weniger produktiv. Schliesslich kompensieren die meisten Raucher Unruhe mit einer Zigarette, nach der es entspannter zurück an die Arbeit geht. Niemand kommt auf die Idee, Alkohol, Süssigkeiten oder Medikamente, die ähnlich gesundheitsgefährdende Auswirkungen haben, auf die Blacklist zu setzen. Der Eingriff in die individuelle Selbstbestimmung klingt daher nach Hexenjagd. Unternehmen nehmen sich durch solch strikte Vorgaben zudem die Möglichkeit, den besten Kandidaten aus dem Pool zu fischen. Falls der raucht, wird er sich gar nicht erst bewerben.

Eindimensionale Debatte
Zwar lässt sich der durch das Rauchen verursachte wirtschaftliche Schaden nicht wegdiskutieren. Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht. Denn Raucher sparen der AHV und Pensionskasse jede Menge Geld ein. Die Logik ist so simpel wie genial: Wer früher stirbt, bekommt weniger Rente ausgezahlt. Auch Unternehmen zahlen weniger für rauchende Mitarbeiter in die Kasse ein, vor allem, wenn die vor dem Pensionsalter sterben. Sind letztendlich die langlebigen Nichtraucher ein grösserer Schaden? Die Debatte kann nicht eindimensional geführt werden. Jede Seite hat ihre berechtigten Argumente. Es darf dabei jedoch nicht vergessen werden, dass Unternehmen ihre Energie nicht auf Nebenkriegsschauplätzen verpuffen lassen sollten. Denn das Ziel eines Personalers sollte es sein, den jeweils besten Mitarbeiter zu finden. Auch, wenn der eine Zigarette in der Hand hat.