Worin unterscheiden sich «Loud Quitting» und «Quiet Quitting»? - zentraljob.ch
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Worin unterscheiden sich «Loud Quitting» und «Quiet Quitting»?

Veröffentlicht am 01.06.2023 von Marcel Penn Marketing- und Verkaufsleiter - Bildquelle: Getty Images
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In der Arbeitswelt war «Quiet Quitting» im vergangenen Jahr Trend. Jetzt ist «Loud Quitting» angesagt. Zwei Trends, die bei näherem Hinsehen viel über die aktuellen Befindlichkeiten der Arbeitnehmenden aussagen. Aber im Vergleich haben sie doch wenig gemeinsam. 
Silles Aufhören

«Quiet Quitting» hat nur vordergründig mit «Stiller Kündigung» zu tun, sofern der englische Ausdruck wörtlich übersetzt würde. Tatsächlich handelt es sich um keine Kündigung, sondern eher um ein stilles Aufhören des stark engagierten Arbeitens.

Eine Kündigungsabsicht durch die Arbeitnehmenden besteht nicht. Die emotionale Bindung zum Arbeitgeber ist weiterhin vorhanden, fusst jedoch auf rationalen Überlegungen mit klarer Grenzziehung zwischen Beruflichem und Privatem. Nur im Stillen mit sich selbst ausgemacht, nichts davon öffentlich.

Geleistet wird noch das, was vertraglich vereinbart ist. Keine unbezahlten Überstunden, auch sonst lieber keine Extrameile. Dem Konformitätsdruck seitens des Arbeitgebers wird tapfer widerstanden. Falsch wäre nun, in dem Zusammenhang von innerer Kündigung zu reden, wo mangels Alternative in der ungeliebten Stelle weiter ausgeharrt wird.

Nicht Desillusion oder Frustration stehen bei «Quiet Quitting» im Zentrum, sondern der Wille, eine Balance zwischen Berufs- und Privatleben zu finden. Wer diesen Modus der «stillen Zurückhaltung» wählt, geht jedoch der Aufgabe aus dem Weg, am Arbeitsplatz für die eigenen Interessen einzustehen, wenn es darauf ankäme.

Laut für Millionen

m Kontrast dazu steht das «Loud Quitting». Auf Deutsch wird der englische Ausdruck mit «Lauter Kündigung» allerdings unzulänglich übersetzt. Arbeitnehmende wollen ihre Stellen in diesem Fall genauso wenig kündigen wie jene mit «Quiet Quitting» die ihrigen, schon gar nicht mit Radau.

«Laut» daran ist ein anderer Aspekt, der diese Praxis gerade bei Personalfachleuten in Verruf bringt. Im Berufsalltag geht es vielmehr darum, mit der Kündigungsdrohung einer bestimmten Forderung gegenüber dem Arbeitgeber stärker Nachdruck zu verleihen. Sei es wegen Lohn, Beförderung oder sonstiger Leistungen.

Speziell dabei: Der Arbeitnehmer filmt sich, um sein Ansinnen zu veröffentlichen und per Video auf den sozialen Netzwerken wie TikTok mitzuteilen. Ein Novum. Je nach Video gehen die Klicks in die Millionen.

Millennials und Zoomer

Wissenschaftlich erforscht ist «Loud Quitting» nicht. Dazu ist das Phänomen zu jung. In erster Linie lassen sich jüngere Menschen bis 40 zu dieser Vorgehensweise anregen. Sie zählen zu den Millennials und zur Gen Z.Es sind oft hochqualifizierte Fachleute im Bereich der Informatik, besonders Programmierer aber auch Angehörige anderer technischer Berufe. Hier gibt der Fachkräftemangel der Trend-Methode Auftrieb, da gegenwärtig die Arbeitnehmer am etwas längeren Hebel sitzen. 

Ein Wort zum Fachkräftemangel

Nun mag es kein Unternehmen, vom eigenen Personal durch Drohung und Erpressung zu Gehaltsaufbesserungen oder anderen Zugeständnissen genötigt zu werden. Auch nicht mittels «Loud Quitting» in Zeiten des Fachkräftemangels. Etliche Branchen haben Mühe, selbst aus dem Ausland geeignetes Personal zu rekrutieren.

Das gilt fürs Gesundheitswesen, viele Handwerksberufe und die Gastronomie. Je nach Wirtschaftslage, kann das Pendel bald umschlagen. Gerade die Arbeiterschaft des Niedrig- und Billiglohnsektors dürfte mit «Loud Quitting» nichts erreichen. Genauso riskant wäre es für sie, auf «Quiet Quitting» zu setzen. Das könnte ihnen im Geschäft nachteilig ausgelegt werden. Diese Leute sitzen im Hamsterrad und ringen wie keine andere Gruppe mit steigenden Fixkosten, Teuerung, Inflation sowie Reallohnverlust.