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Viele offene Stellen in der Schweiz - in welchen Branchen?

Veröffentlicht am 28.07.2022 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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Kaum beginnt die Wirtschaft nach der Corona-Krise zu florieren, wird der Mangel an Arbeitskräften
immer bedrohlicher. Betroffen sind vor allem Gastronomie und Beherbergungsbetriebe, die IT-Branche,
der Maschinenbau, das verarbeitende und produzierende Gewerbe sowie das Gesundheits- und
Sozialwesen. Was sind die Gründe, und mit welchen Massnahmen wollen die betroffenen Branchen
gegensteuern?
Gründe für den Arbeitskräftemangel in der Schweiz

In der Schweiz gibt es so viele offene Stellen wie noch nie. Nach Angaben des Bundesamtes für
Statistik (BfS) ist der Arbeitskräftebedarf gegenüber dem Jahr 2021 deutlich gewachsen. Sind es
heute 114´000 offene Stellen, waren es damals 43´000 Stellen weniger.

1. Arbeitskräftemangel in Gastronomie und Hotellerie

Am meisten betroffen sind das Gastgewerbe sowie Beherbergungsbetriebe. Das ist deshalb dramatisch,
weil sich mit Beginn des Jahres 2022 die Geschäftslage nach Corona endlich wieder verbessert hat.
10´600 Stellen beziehungsweise 4,3 Prozent sind aktuell nicht besetzt. Die Gründe für den Personalmangel sind grösstenteils hausgemacht. Überstunden, lange Schichten, schlechte Bezahlung
und obendrein noch mangelnde Wertschätzung sind die Gründe, weshalb viele Arbeitnehmer Gastronomie und Hotellerie in Zeiten von Corona verlassen haben. Viele konnten sich Verdiensteinbussen oder -ausfälle nicht leisten und wechselten in andere Branchen.

2. Arbeitskräftemangel in der IT-Branche

Die IT-Branche kämpft schon seit Jahren mit Personalmangel. Im ersten Quartal 2022 waren in der
Schweiz 5´700 Stellen in der IT-Branche ausgeschrieben. Dass sich die Situation 2022 noch einmal
verschärft hat, hängt auch mit der Corona-Krise zusammen, die einen wahren Digitalisierungs-Schub
ausgelöst hat und damit auch einen höheren Bedarf an IT-Fachkräften. Ein weiterer Grund für den Arbeitskräftemangel in der IT-Branche ist der geringe Frauenanteil.

3. Arbeitskräftemangel im Maschinenbau

Auf dem dritten Platz der Hitliste des Arbeitskräftemangels in der Schweiz liegt der Maschinenbau
mit 3´000 ausgeschriebenen Stellen. Ebenso wie in der IT-Branche dauert der Personalmangel im
Maschinenbau seit mehreren Jahren an. Die Gründe sind vielschichtig. Grundsätzlich fehlen im
Inland ausgebildete Ingenieure. Andererseits sind die von Unternehmen ausgeschriebenen Stellenprofile sehr speziell, sodass kaum ein Bewerber die Erwartungen der Arbeitgeber erfüllt. Andererseits sind Unternehmen nicht willens oder auch nicht in der Lage, ausgebildete Ingenieure entsprechend zu schulen.

Was betroffene Branchen gegen den Arbeitskräftemangel unternehmen

Nicht nur Gastronomie und Hotellerie begreifen allmählich, dass sich die Arbeitsmarktsituation
zugunsten der Arbeitnehmer verändert hat. Kamen früher auf einen Job eine Vielzahl von Bewerbern,
hat sich das Verhältnis nun umgekehrt. Deshalb sind nicht nur die vom Arbeitskräftemangel
betroffenen Branchen bereit, neue Wege einzuschlagen.

1. Gastronomie und Hotellerie: Deshalb möchte der Verband GastroSuisse vor allem am Image der
Branche arbeiten und hat die Kampagne "Wir arbeiten mit Leidenschaft im Gastgewerbe" auf den Weg
gebracht. Mithilfe eines Fünf-Punkte-Plans sollen die Anstellungsbedingungen auch für
Quereinsteiger attraktiver werden, was vor allem die Schaffung eines zeitgemässen Lohn- und
Arbeitssystems bedeutet.

2. IT-Branche: Bereits 2020 hat der Branchen-Dachverband ICTswitzerland ein Positionspapier mit
sechs Forderungen auf den Weg gebracht, mit dem die Branche gezielt Frauen anwerben möchte. Dazu
gehören flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungsmöglichkeiten, attraktive Gehälter sowie die
Förderung von Frauen in MINT-Fächern. Der Bund, die Kantone und Gemeinden sind aufgefordert, in
Bezug auf die MINT-Fächer Unterstützung zu leisten.

3. Maschinenbau: Auch in dieser Branche wird die Forderung nach einer Stärkung der MINT-Fächer und
nach bildungspolitischen Massnahmen immer lauter. Insoweit sind Wirtschaft und Politik
gleichermassen gefordert, Lösungen für den Arbeitskräftemangel zu erarbeiten und umzusetzen.

Auch im verarbeitenden und produzierenden Gewerbe ist die Arbeitsmarktsituation angespannt.
Gesucht werden vor allem Lebensmittelproduzenten, Automatiker, Chemietechnologen und Schreiner. Nicht viel besser sieht es im Gesundheits- und Sozialwesen aus, wo im ersten Quartal 2022 rund 15´900 Stellen unbesetzt waren.

Alle betroffenen Branchen gehen davon aus, dass sich die Lage weiter zuspitzen wird. Völlig unwahrscheinlich ist, dass sie sich von allein entspannt. Stattdessen gehört der
Arbeitskräftemangel zu den grössten Herausforderungen der Zukunft, sodass sich dieses Problem nur
gesamtgesellschaftlich wird lösen lassen.