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Ein Stelleninserat analysieren: Was steckt hinter dem Personalerdeutsch?

Veröffentlicht am 26.05.2022 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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Oftmals enthalten Stellenanzeigen unrealistische Anforderungen und Eigenschaften, deren Bedeutung
sich nicht ohne Weiteres erschliesst und die manchen Bewerber abschrecken. Umso wichtiger ist es,
sich Stellenanzeigen genau anzusehen und sie zu analysieren. Wie das funktioniert, und wie Sie Personalerdeutsch entschlüsseln - lesen Sie mehr!

Der Aufbau einer Stellenanzeige


Stelleninserate folgen regelmässig einem bestimmten Aufbau und gliedern sich in folgende Abschnitte:
  1. Selbstdarstellung des Unternehmens: Hier finden Sie zum Beispiel Angaben zu Produkten oder Dienstleistungen, zur Branche, zur Grösse und zum Standort des Unternehmens.
     
  2. Genaue Stellenbeschreibung: Sie beinhaltet neben der Stellenbezeichnung eine Beschreibung des Aufgabengebietes.
     
  3. Anforderungen an den Bewerber: Die Muss- und Kann-Anforderungen sind das Herzstück eines Stelleninserates.
     
  4. Leistungsangebot des Unternehmens: Hier informiert das Unternehmen über Gehaltsmodalitäten und Benefits mit dem Ziel, gute Mitarbeiter zu gewinnen.
     
  5. Hinweise zum Bewerbungsablauf: Das Stelleninserat endet mit Angaben zum Bewerbungsablauf und der Übermittlung der Bewerbungsunterlagen.

Stellenanzeige analysieren: Muss-Anforderungen und Kann-Anforderungen

Der Kern jedes Stelleninserates sind die an den Bewerber gestellten Anforderungen, bei denen
zwischen Muss-Anforderungen und Kann-Anforderungen differenziert wird. Muss-Anforderungen
erkennen Sie an Formulierungen wie "wir setzen voraus", "das müssen Sie mitbringen", " wir erwarten", "sehr gute Kenntnisse in", "Kenntnisse sind erforderlich" oder "wichtig" oder "wenn Sie folgende Voraussetzungen erfüllen". Muss-Anforderungen sind die Voraussetzungen, die Sie für die Ausübung der Tätigkeit brauchen.

Im Gegensatz dazu sind Kann-Anforderungen in Stellenanzeigen weicher formuliert. Gebräuchlich sind
Formulierungen wie "werden gewünscht", "sollen Sie mitbringen", "wären von Vorteil", "ausbaufähige Kenntnisse in" oder "mit guten Kenntnissen in". Kann-Anforderungen müssen nicht erfüllt werden. Je mehr ein Bewerber allerdings zusätzlich zu den Muss-Anforderungen kann, umso grösser sind seine Chancen, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden und den Job zu bekommen.

Muss- und Kann-Anforderungen helfen Unternehmen, Bewerber zu selektieren. Das ist vor allem dann
wichtig, wenn es sich um eine gut dotierte Position mit einer grossen Bewerberzahl handelt.
Ausserdem werden Bewerber angeregt, sich mit den Inhalten eines Stelleninserats zu beschäftigen.
Wer im Lebenslauf und im Bewerbungsschreiben keine Verbindung zum Stelleninserat herstellt, ist von
vornherein chancenlos.
Stellenanzeigen verstehen - Ansprüche an die Kandidaten

Der Kern einer Stellenanzeige sind die Erwartungen und Anforderungen an den künftigen Mitarbeiter.
Sie enthalten versteckte Botschaften, deren Inhalt Sie kennen sollten:
  • Belastbarkeit: Ist in einem Stelleninserat von Belastbarkeit die Rede, kann das ein Hinweis auf Mehrarbeit und Überstunden sein.
  • Eigenverantwortung: Das bedeutet, dass Sie die Verantwortung für die von Ihnen erledigten Aufgaben tragen.
  • Flexibilität: Wird diese Eigenschaft in einem Stelleninserat besonders hervorgehoben, kann es sein, dass Sie sich Ihr Aufgabengebiet weitgehend selbst erarbeiten müssen.
  • Kommunikative Fähigkeiten: Sie sind immer dann gefragt, wenn Ihr Arbeitstag aus Kundenkontakten, zum Beispiel in Form von Telefonaten oder Kundenbesuchen, besteht. Von Vorteil sind hier vor allem gute sprachliche und diplomatische Fähigkeiten.
  • Kreativität: Dabei kann es sich um eine oft kopierte Floskel handeln, die unreflektiert in ein Stelleninserat übernommen wird. Es kann aber auch bedeuten, dass Sie ständig neuen Herausforderungen ausgesetzt sind, die Sie weitgehend allein bewältigen müssen.
  • Organisationstalent: Das könnte bedeuten, dass Sie eine Vielzahl von Dingen unter einen Hut bringen müssen.
  • Unternehmerisches Denken: Was nach grosser Freiheit klingt, hat seine Grenzen. Ihre Entscheidungen müssen sich an den Vorgaben Ihres Vorgesetzten beziehungsweise des Unternehmens orientieren. Zur Rechenschaft verpflichtet sind Sie nur, wenn Sie nicht angemessen handeln.
  • Wir sind ein "junges, dynamisches Team": Das ist ein Hinweis darauf, dass ein junger Mitarbeiter gesucht wird und im Team wahrscheinlich niemand über 30 Jahre alt ist.
  • Teamfähigkeit: Dabei handelt es sich um eine Floskel. Ohnehin wird jeder Bewerber von sich behaupten, dass er teamfähig ist.

Doch es gibt auch Anforderungen in einem Stelleninserat, die Sie wortwörtlich nehmen sollten, zum
Beispiel "verhandlungssicheres Englisch". Das setzt voraus, dass Sie in der Lage sind, auch komplizierte Sachverhalte zu verstehen, zu formulieren und zu verhandeln.