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Schweizer Wirtschaft: Job- und Konjunkturaussichten 2022

Veröffentlicht am 10.02.2022
Bahnhof Luzern

Noch sind Schwierigkeiten mit den Lieferketten, Produktionsausfälle wegen Problemen im Einkauf und eine dadurch bedingte Inflationsgefahr die Faktoren, die die Wirtschaft in der Schweiz beeinflussen. Doch die durch die Pandemie und die Corona-Massnahmen bedingten negativen wirtschaftlichen Auswirkungen nehmen weiter ab. Und so prognostizieren die Ökonomen der Schweizer Grossbank Crédit Suisse für das Jahr 2022 ein unverändertes Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent. Doch was bedeutet das für den Arbeitsmarkt? Mehr dazu hier.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen 2022 in der Schweiz
 
Bereits im Jahr 2021 hat sich die Schweizer Wirtschaft erholt, sodass 2022 mit einem überdurchschnittlichen Wachstum zu rechnen ist. In Zahlen ausgedrückt rechnet das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) im Rahmen seiner Konjunkturprognose mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Höhe von 3 Prozent. Sie fiele normalerweise optimistischer aus, wird jedoch durch die durch Omikron bedingten Massnahmen und Lieferengpässe abgeschwächt.
 
  • Nicht nur Omikron ist ein unkalkulierbares Gespenst. Das gilt gleichermassen auch für die Inflation, die insbesondere in den USA sowie im übrigen Europa deutlich höher ausfällt als erwartet. Während in den Vereinigten Staaten die Zeichen auf Zinsanstieg stehen, ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sehr weit von einem derartigen Schritt entfernt.
 
  • Die Pharmaindustrie in der Schweiz ist das Zugpferd der Schweizer Exportwirtschaft, denn sie ist seit 2010 für mehr als ein Drittel des wachsenden Bruttoinlandsproduktes verantwortlich. Sie steht jedoch angesichts der ausländischen Konkurrenz unter Druck. Es sind vor allem Singapur, die Region San Francisco sowie Dänemark und Irland in Europa, die intensive Standortpolitik betreiben und um die Ansiedelung von Pharmaunternehmen werben.
 
  • Die Industrie kommt indes in Schwung, allen voran die Schweizer Uhrenindustrie, die sich dank der starken Nachfrage aus den Vereinigten Staaten und China erholen konnte. Vor allem für die Luxusgüterindustrie in der Schweiz wird es entscheidend sein, wie schnell der internationale Tourismus in 2022 zum Laufen kommt. Ebenfalls optimistisch blickt die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) angesichts steigender Umsatzzahlen und voller Auftragsbücher in die Zukunft.
 
Einzig die steigenden Rohstoffpreise und Produktionsengpässe aufgrund unterbrochener Lieferketten bereiten noch Sorgen. Auch multinationale Unternehmen mit Sitz in der Schweiz stehen unter Druck. Denn sie sind seit 2022 verpflichtet, Rechenschaft über die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit im Ausland abzulegen. Gleiches gilt für Aktivitäten in Ländern wie China und Myanmar, die für Menschenrechtsverletzungen bekannt sind. In diesem Zusammenhang wird mit Spannung die von der Europäischen Kommission voraussichtlich in 2022 erlassene Richtlinie zur Verantwortung von im Ausland tätigen Unternehmen erwartet.
 

Arbeitsmarkt in der Schweiz: Ausblick in das Jahr 2022
 
Interessant sind die Auswirkungen der Covid-Pandemie auf den Arbeitsmarkt in der Schweiz. Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) geht angesichts eines Beschäftigungsindikators von 9,4 Punkten im vierten Quartal 2021 davon aus, dass sich der Schweizer Arbeitsmarkt trotz Schwankungen auf einem hohen Niveau einpendeln wird. Das Institut begründet seine Auffassung mit der grossen Zahl von Unternehmen, die die derzeitige Anzahl ihrer Mitarbeiter als zu gering erachten. Dazu gehört auch die Ankündigung dieser Unternehmen, das Personal zeitnah aufstocken zu wollen. Es sind vor allem Hotellerie, Gastronomie und Tourismus, die infolge von Kurzarbeit und Stellenabbau Personal brauchen. Positive Beschäftigungsaussichten gibt es auch im Grosshandel, im Baugewerbe, bei Dienstleistern und in der verarbeitenden Industrie.
 
Das sind vor allem die Branchen, die sehr unter der Corona-Krise gelitten haben und noch immer leiden. Deshalb ist der Bedarf an Arbeitskräften hier besonders hoch, was auch für den Pflegebereich gilt. Ein weiterer Grund für die grosse Zahl an offenen Stellen ist auch, dass sich viele in diesen Branchen tätige Arbeitnehmer in der Pandemie beruflich umorientiert haben. Ohnehin fehlen gut qualifizierte Arbeitskräfte in vielen Bereichen. Deutlich spürbar ist der Mangel in den Bereichen IT, in der Chemie- und Pharmaindustrie, im Maschinenbau sowie in der Architektur. Aber auch im Gesundheits- und Sozialwesen ist die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften hoch.
 
Abschliessend ist festzuhalten, dass vor allem solide öffentliche Finanzen ein Indiz für eine robuste Wirtschaft sind. Auch wenn der Staatshaushalt in den vergangenen beiden Jahren tief in die roten Zahlen gerutscht ist, gehen Ökonomen davon aus, dass sich diese Situation im Jahr 2022 entspannt beziehungsweise normalisiert. Das gilt vor allem unter dem Aspekt, dass die Schweizer Regierung plant, die Gewinne der Nationalbank sowie Haushaltsüberschüsse für die Schuldentilgung zu verwenden.