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Das "innere Team" - seine Mitglieder und ihre verschiedenen Funktionen

Veröffentlicht am 22.07.2021
Das "innere Team" - seine Mitglieder und ihre verschiedenen Funktionen
Wenn vom "inneren Team" gesprochen wird, ist damit eine unterschiedliche Zahl von Stimmungen und Ansichten gemeint, die in uns vorherrschen, die miteinander streiten und diskutieren, wenn wir in einem Entscheidungsprozess stecken. Geprägt hat den Begriff der deutsche Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun.

Wie in einem realen Team vertreten diese Stimmen verschiedene Standpunkte. Dabei kann es durchaus zu starken Meinungsverschiedenheiten kommen, die im extremsten Fall eine innere Zerrissenheit herbeiführen können. Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit Möglichkeiten, die auch im inneren Team für eine echte Teambildung sorgen.
Verständnis und Akzeptanz für die innere Pluralität aufbauen

Wenn wir in einer bestimmten Situation, die eine Entscheidung erfordert, nicht eine Eingebung haben und dieser sofort folgen, kommt es normalerweise zu einem Abwägen des Für und Wider, zu gegensätzlichen Gedanken. Wie in einer Gesprächsrunde mit verschiedenen realen Personen äussern unsere inneren Stimmen unterschiedliche Meinungen und bringen diverse Argumente vor, manche laut und forsch, andere zögerlich und sorgsam prüfend. Schulz von Thun spricht in diesem Zusammenhang auch von einer "inneren Pluralität", die aber nichts mit psychischen Störungen wie Schizophrenie zu tun hat.

Die innere Pluralität mit ihren Meinungen und Haltungen ist vielmehr ein Sinnbild dafür, wie wir in unserem Inneren Konflikte austragen und eine Lösung zu finden versuchen. Das erschwert zwar die Entscheidungsfindung, trägt aber auch dazu bei, dass wir nicht voreilig handeln und ein naives Verhalten an den Tag legen.


Wie setzt sich das innere Team zusammen?

Schulz von Thun führt unterschiedliche Charaktere an, aus denen sich ein inneres Team zusammensetzt, von denen die wesentlichen hier vorgestellt werden sollen.

Regent oder Oberhaupt
Diese Person steht für den Teamleiter, der die Führung übernimmt, das Team nach innen organisiert und nach aussen vertritt. Er ist gleichzeitig Moderator während der Meetings und hat stets einen Blick für alle Teammitglieder, auch für die stilleren und zögernden. Zu seinen Aufgaben gehören ausserdem das Teambuilding, Konfliktmanagement bei Streitigkeiten sowie die Auswahl geeigneten Personals.

Beständige oder Stammspieler
Diese Mitglieder verfügen schon über eine längere Erfahrung und ein breites Wissen. Sie waren in der Vergangenheit bereits erfolgreich und sitzen in der vordersten Reihe. Sie sind stark für die Art und Weise verantwortlich, wie Aussenstehende eine Person wahrnehmen.

Sonderlinge oder Einzelgänger
Diese inneren Stimmen drängen sich in einer Person nur selten in den Vordergrund. Dies geschieht häufig nur, wenn andere Personen versuchen, sich abzugrenzen. Sie sind ein fester Teil der Persönlichkeit, werden von anderen aber nicht besonders gern gesehen.

Gegner
Hierbei handelt es sich um zwei Mitglieder des inneren Teams, die zu einer Angelegenheit zwei völlig gegensätzliche Ansichten haben und dadurch hin- und hergerissen werden.

Nachzügler
Trifft sich das Team zu einem Meeting oder einer Diskussion über ein bestimmtes Thema, sind die Nachzügler oft nicht anwesend. Sie können aber trotzdem bedeutsame Beiträge liefern, wenn auch mit einer Verzögerung von Stunden oder Tagen.

Zauderer
Diese Stimmen werden erst dann wahrgenommen, wenn man sich ihre Anwesenheit richtig bewusst macht. Vermehrte Achtsamkeit kann dabei helfen.

Aufpasser
Diese Spezies gehört zu den dominanten Mitgliedern im Team. Sie sorgen oft dafür, dass andere Stimmen unterdrückt werden und nicht zum Zuge kommen, weil sie nicht wollen, dass über manche Dinge gesprochen wird. Das schafft häufig Konflikte und erschwert dem Teamleiter die Arbeit.

Störenfriede
Störenfriede fallen vor allem durch ihr kontraproduktives Verhalten auf. Sie verletzen sensible Bereiche und versuchen, die Person herabzusetzen. Trotzdem können wichtige Botschaften und gutgemeinte Absichten hinter der zerstörerischen Wirkung stehen.


Wichtige Gründe für einen Umgang mit dem inneren Team

Schulz von Thun betrachtet es als eine Schlüsselqualifikation für die persönliche wie für die berufliche Entwicklung, das innere Team in Einklang und Gleichgewicht zu bringen, da die innere Kommunikation auch die äussere stark beeinflusst. Es ist nicht leicht, aus allen inneren Teammitgliedern das Optimum herauszufiltern. Ihre Diversität ist jedoch wie bei einem realen Team bedeutsam für die Qualität abschliessender Entscheidungen, die ohne Reue und bewusst getroffen werden sollten. Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen ist das Einhalten von gemeinsamen Absprachen und Regeln. Bezogen auf eine einzelne Person gelingt das nur mit genügend Selbstreflexion.


Ein Beispiel für das Vorgehen

Wenn Sie eine Antwort auf eine wichtige Frage finden oder eine schwierige Entscheidung treffen müssen, können Sie Ihr inneres Team gezielt einsetzen. Unabhängig vom Thema werden sich Ihre inneren Stimmen unterschiedlich äussern und unterschiedliche Positionen einnehmen.

Ein Setting wie das folgende kann ihre Entscheidungsfindung erleichtern. Zeichnen Sie mit verschiedenen Farben Strichmännchen auf ein Blatt Papier, geben Sie ihnen Namen nach Ihren Vorstellungen und ordnen Sie ihnen jeweils eine charakteristische Aussage zu. So erhalten Sie eine Übersicht über die Mitglieder Ihres inneren Teams, über ihre Diskussionsbeiträge, über Streitereien und Gemeinsamkeiten.

Sie sollten darauf achten, dass all Ihre inneren Stimmen ihre Meinungen und Ansichten beitragen. Am Ende betrachten Sie das Für und Wider und entschliessen sich zu den notwendigen Massnahmen, beispielsweise die Erstellung eines neuen Tagesablaufplans, der Arbeits- und Erholungsphasen festhält, oder eine detaillierte Überprüfung Ihres Selbstmanagements. Optimal ist es natürlich, wenn das Ergebnis alle Mitglieder Ihres inneren Teams befriedigt.