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Boreout: Unterforderung und Langweile bei der Arbeit

Veröffentlicht am 13.08.2020
Boreout: Unterforderung und Langweile bei der Arbeit
Mit Boreout zum Arzt? Das ist keine Seltenheit. Doch keiner gibt zu, wenn er in einem Arbeitsumfeld chronisch unterfordert ist. Dabei kann auch das krank machen. Die Diagnose heißt dann Boreout - ein Syndrom, dass heute noch nicht gut erforscht und auch nicht publik ist. Das Wichtigste dazu im kompakten Überblick.
 
Burnout und Boreout - unterschiedlich und doch etwas gemeinsam

Der Burnout ist typisch für Angestellte, die im Job ständig überfordert sind. Projektarbeit und Überstunden, Aufgabenergänzung und Kollegenausfälle können für dieses Syndrom verantwortlich sein - aber auch ein Angestellter, der für sein Einsatzgebiet eigentlich nicht kompetent ist. Beim Boreout langweilen sich die Angestellten. Sie haben schlicht und einfach nichts beziehungsweise zu wenig zu tun. Doch was den einen vielleicht sogar freut, ist für den anderen unangenehm. Denn zu einen würde dieser einen abwechslungsreichen und anspruchsvollen Arbeitsplatz schätzen. Zum anderen nagen an ihm Selbstzweifel, weil im sein Chef wohl nicht mehr zutraut. Das bedeutet: So unterschiedlich Boreout und Burnout auch hergeleitet werden - eines haben sie gemeinsam - einen Arbeitnehmer, der grübelt, was seine Arbeitsfähigkeit angeht. Das kann krank machen - und auch unglücklich.

Merkmale für einen Boreout im Überblick

Wer in der Praxis Langweile bei der Arbeit hat und sich mit dem Thema eines möglichen Boreouts beschäftigt, sollte insbesondere das eine tun: mit Selbstreflexion und Ehrlichkeit den Arbeitsplatz und den Arbeitsalltag unter die Lupe nehmen. Wer seine Arbeit zügiger erledigt als die anderen, wer privat telefoniert und lustige Mails im Team verschickt und wer Arbeit vortäuscht, die er eigentlich gar nicht hat, könnte einen Boreout haben. Das gilt auch dann, wenn jemand mit sogenannten "illegitimen" Aufgaben beauftragt ist - also solchen, die im Vergleich zur Jobbeschreibung um einiges weniger anspruchsvoll und somit natürlich unbefriedigend sind. Die Krux: Einen Boreout bei sich selbst festzustellen und ihn zu bessern, sind zwei Paar Stiefel. Denn wer teilt seinem Arzt beziehungsweise dem Chef mit, dass er im Unternehmen zu wenig zu tun hat und damit nicht zufrieden ist? Wer mit Professionalität und Einsatzfreude zu arbeiten plant, sollte dennoch aktiv werden. Besserung der Arbeitsbedingungen bedeutet für viele, dass ein Drittel des Tages besser gestaltet werden. Und das ist doch lohnenswert!

Der negative Einfluss des Boreouts

Wer als Profi im Arbeitsalltag einfach nur Langeweile hat und wenn dies für den Angestellten kein Problem ist, kann ein Boreout eher ausgeschlossen werden. Problematisch wird es, wenn dieser Arbeitsrahmen mit negativen Konsequenzen verbunden ist. Dazu zählt beispielsweise, wenn der Arbeitnehmer in seinem Selbstvertrauen beeinträchtigt wird und eventuell der Meinung ist, dass er für attraktivere Aufgaben nicht geeignet sein könnte. Oft wird das durch Kollegen noch bestätigt, die einen Kollegen mit vermeintlich untergeordneten Einsatzbereichen eventuell isolieren. Der Boreout ist also durchaus mit einer Anspannung verbunden, die negativ ist und krankmachend sein kann. Das Selbstwertgefühl kann unangenehm herabgesetzt werden und der Arbeitsplatz einfach nur unglücklich machen. Doch auch die Motivation für Bewerbungen bei einem anderem Unternehmen wird herabgesetzt - zum einen, weil das mit Einbußen beim Einkommen verbunden sein könnte, zum anderen, weil man sich mehr Aufgaben nicht mehr zutraut.

Boreout? Was ist nun zu tun?

Mit dem Arbeitgeber thematisieren, dass Sie der Meinung sind, dass bei Ihnen eine Unterforderung vorhanden ist! Dies ist sicherlich das Effizienteste - vorausgesetzt natürlich, Sie schätzen, das Unternehmen, bei dem Sie arbeiten, und haben keinen Arbeitsplatzwechsel geplant. Nicht selten ist es so, dass Unternehmer beziehungsweise Abteilungsleiter erstaunt sind. Denn Untersuchungen haben herausgearbeitet, dass zwar eine Menge Arbeitnehmer eine Unterforderung bei sich feststellen, dass das tatsächlich aber nur wenige CEOs ebenfalls festgestellt beziehungsweise vermutet hätten. Jedes Unternehmen freut sich, wenn ein Mitarbeiter die Bereitschaft dokumentiert, mehr Arbeit zu leisten. So kann oft eine Lösung maßgeschneidert werden, von der Arbeitgeber und Arbeitnehmer wirklich erfreulich profitieren können.

Arbeitsplatzwechsel?

Es gibt insbesondere zwei Tatsachen, bei denen es eher vorteilhaft sein könnte, wenn Sie sich mit einem Arbeitsplatzwechsel beschäftigen. Zum einen, wenn in Ihrem Unternehmen keine relevanten Einsatzfelder für Sie generiert werden. Besonders wenn Sie eine Karriere planen, ist es wirklich wichtig, dass Sie auch die einschlägigen Aufgabengebiete haben und nachweisen können. Zum anderen ist ein Arbeitswechsel eventuell auch dann sinnvoll, wenn Sie durch Boreout gesundheitliche Einschränkungen haben und Ihr Standing im Unternehmen nicht optimal ist. Es besteht die Möglichkeit, durch ein Attest des Arztes den Arbeitsplatzwechsel geplant umzusetzen, ohne dass Ihnen dabei Nachteile generiert werden. Wichtig: Diskutieren Sie alles mit einem Freund beziehungsweise mit der Familie. So können Sie sich besonders sicher sein, dass Sie auch ds Richtige für sich (und Ihre berufliche Entwicklung) tun.