«Startup Support Luzern» fördert Neuunternehmer

Job-Storys 14. Februar 2014
«Startup Support Luzern» fördert Neuunternehmer
Neuunternehmerförderung: im Gespräch mit Rouven Willimann und André Marti von der Wirtschaftsförderung Luzern

Startup-Förderung: «Ein Business Plan muss keine Doktorarbeit sein»

Wer im Kanton Luzern eine Firma gründen will, erhält bei der Wirtschaftsförderung Luzern eine kostenlose Erstberatung sowie viele wertvolle Tipps und Informationen. Das Projekt «Startup Support Luzern» soll weiter wachsen, wie Rouven Willimann und André Marti von der Wirtschaftsförderung berichten.  Aber Achtung: Nicht jeder ist im Besitze des wichtigen «Unternehmer-Gens».

Interview: Daniel Schriber

 
Das Projekt «StartUp Support» der Wirtschaftsförderung Luzern unterstützt potenzielle Unternehmer auf dem Weg zum eigenen Geschäft. Weshalb fördern Sie Neuunternehmer?
Rouven Willimann: Aus verschiedenen Gründen hinkt Luzern den meisten anderen Kantonen bei den Neuunternehmer-Zahlen hinterher. Dies zum Beispiel weil es hier keine ETH gibt, was sich logischerweise auf die Startup-Zahlen auswirkt. Die Regierung gab uns vor einigen Jahren den Auftrag, diesbezüglich etwas zu unternehmen und Neuunternehmer verstärkt zu fördern.

Wie genau sieht Ihr Angebot aus?
Willimann: Wer eine starke Geschäftsidee hat und sich selbständig machen möchte, erhält bei uns eine kostenloste Erstberatung. Wie viel Startkapital muss eingeplant werden? Wie steht es um die Konkurrenzsituation? Welche planerischen Schritte sind noch nötig? Das alles sind mögliche Stolpersteine, auf die wir die Neuunternehmer aufmerksam machen.

André Marti: Die Wirtschaftsförderung Luzern arbeitet zudem mit verschiedenen Institutionen aus Wirtschaft und Bildung zusammen – etwa mit dem Institut für Jungunternehmen (IFJ), startups.ch oder der Hochschule Luzern. Wir wollen diese Organisationen nicht konkurrenzieren, sondern streben eine Zusammenarbeit an.

An wen richtet sich Ihr Angebot?
Willimann: An alle, die sich den Traum eines eigenen Unternehmens verwirklichen wollen. Egal ob jemand einen Coiffeur-Salon, eine kleine Schreinerei oder ein anderes Geschäft eröffnen will: Wir sind ganz bewusst für alle Neuunternehmer da – also auch für diejenigen, die mit Ihrer Idee keinen Innovationspreis gewinnen werden. 

Wie viele Leute nutzen das Angebot der Wirtschaftsförderung Luzern bereits?
Willimann: Letztes Jahr haben wir rund 15 – 20 Beratungsgespräche geführt und dazu nochmal 20 – 30 Interessenten telefonisch weitergeholfen. Nun wollen wir das Projekt «StartUp Support Luzern» weiter ausbauen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren auf  100 Beratungen pro Jahr auszubauen.

Auf der Website der Wirtschaftsförderung ist die Rede vom «Unternehmer-Gen». Dieses brauche es, um als Neuunternehmer Erfolg zu haben. Was bedeutet das?
Willimann: Um als Firmengründer erfolgreich zu sein, braucht es eine starke Idee und die Bereitschaft, diese mit vollem Einsatz umzusetzen. Wer die Sache halbherzig angeht, hat keine Chance. Leider beginnen viele Neuunternehmer zuerst einmal im Nebenerwerb.

Wo liegt das Problem?
Willimann: Wer sich für diesen Weg entscheidet, will seine Sicherheiten nicht verlieren – das ist nachvollziehbar. Unserer Meinung nach wird es aber schwer, erfolgreich zu sein, wenn man nicht von allem Anfang all seine Ressourcen fokussiert. Leute, die das erwähnte Unternehmer-Gen besitzen, sind immer auch etwas risikofreudig. Sie sagen sich: Ich habe eine Idee und setze diese mit voller Überzeugung um – ohne wenn und aber.

Erkennen Sie bei einem Erstgespräch, ob eine Idee funktionieren wird oder nicht?
Marti: Wir haben schon viele Neuunternehmer getroffen und verfügen mittlerweile über ein gutes Gespür.

Wann merken Sie, dass ein Plan nicht funktionieren wird?
Marti: Manche haben zum Beispiel eine Business-Idee, aber keine Ahnung, wie sie nur schon kleinste Ausgaben zum Starten finanzieren sollen. Dann wird es schon mal schwierig – denn finanzielle Unterstützung gibt es für die wenigsten Startups.

Wie reagieren Sie in diesem Fall?
Marti: Wir versuchen die Leute auf mögliche Probleme und Konsequenzen aufmerksam zu machen, ihnen den Spiegel vorzuhalten. Aber klar: Am Ende ist jeder für sich selbst verantwortlich. Wir können und wollen niemanden davon abhalten, eine eigene Firma zu gründen.

Zu jeder Geschäftsidee gehört ein Business Plan. Stimmt das, oder kann man sich diese Arbeit auch mal sparen?
Willimann: Ein Business Plan dient immer auch als «Reality Check». Wer ein solches Papier erstellt, muss sich all den kritischen Fragen stellen, die im Verlaufe der Firmengründung und auch danach auftauchen werden. Wie steht es um die Konkurrenz? Wie gross ist die Nachfrage nach meinem Produkt? Welche Erträge brauche ich? Funktioniert das Geschäftsmodell? Diese Arbeit lohnt sich fast immer.

Marti: Ein Business Plan muss keine Doktorarbeit sein. Oft reicht es, wenn man sich auf zwei bis drei A4-Seiten die wichtigsten Themen notiert und die auftauchenden Fragen beantwortet. Es ist wichtig, sich im Vorfeld der Firmengründung intensiv mit potenziellen Chancen, Risiken und Herausforderungen zu beschäftigen.

Der Business Plan ist erstellt, die Firma gegründet, los geht’s. Wie lange dauert es in der Regel, bis ein Geschäft richtig läuft?
Marti: Das kommt auf das Geschäftsmodell an – es braucht aber auf jeden Fall einiges an Durchhaltevermögen. Grundsätzlich gilt: Wer die ersten 3 bis 5 Jahre überlebt hat und seine Firma nach dieser Zeit profitabel führt, hat gute Aussichten auf langfristigen Erfolg.

Was motiviert eigentlich so viele Leute dazu, eine eigene Firma zu gründen?
Marti: Viele Leute träumen davon, ihr eigener Chef zu sein. Das ist das tolle am Unternehmertum: Man kann zu hundert Prozent seine eigenen Ideen umsetzen, ohne dafür einem Chef Rechenschaft ablegen zu müssen. Ausserdem geniesst man viele Freiheiten bei der Arbeitsgestaltung. Man muss nicht von 8 bis 5 arbeiten, sondern kann auch von 12 bis 12 tätig sein, wenn einem das besser passt. Wer aber denkt, als Unternehmer könne man weniger arbeiten und dafür mehr Geld verdienen, liegt komplett falsch. Wer sein eigener Chef sein will, muss bereit sein, dafür auch vollen Einsatz zu geben.

Weitere Infos zur Neuunternehmerförderung der Luzerner Wirtschaftsförderung: www.luzern-startups.ch