«Erfolg durch Erfahrungsreichtum»

Job-Storys 25. September 2015
«Erfolg durch Erfahrungsreichtum»
Ein Gespräch mit Roman Wüst, Direktor des Kurhauses am Sarnersee.

Interview Andrea Decker

 
Roman Wüst, in Ihrer Funktion als Direktor des Kurhauses am Sarnersee sind Sie wahrhaftig ein Quereinsteiger, haben Sie doch Ihre beruflichen Anfänge im technischen Bereich lanciert, um sich dann so alle sechs Jahre Ihre Sporen an weiteren Arbeitsstellen in unterschiedlichen Branchen abzuverdienen. Was hat Ihnen das gebracht?
Wüst: Jeder Wechsel hat mir die Chance gegeben, Gelerntes einzupacken, am neuen Ort einzubringen und, an Erfahrungen reicher, die neuen Herausforderungen anzugehen. Zudem lernt man, vernetzter zu denken sowie die Anliegen und Prioritäten der anderen Abteilungen zu verstehen und umzusetzen.Denn jeder einzelne Bereich, seine Mitarbeitenden und das damit einhergehende Knowhow sind essenziell für den Erfolg eines Unternehmens.

Und wie schaut Ihre aktuelle Herausforderung aus?
Wüst: Seit zwei Jahren darf ich mit meinem engagierten Team unser Traditionshaus in eine neue Zukunft führen. Dabei kann ich mich auf das Fachwissen meiner Mitarbeitenden in Gastronomie, Hotel und Pflege verlassen und bringe von meiner Seite her die übergreifenden Elemente und die breite Berufserfahrung im internationalen Managementbereich mit ein.

Was ist wichtiger: das detaillierte Wissen einer Fachperson oder jenes des Allrounders?
Wüst: Ich denke nicht, dass es da ein Entweder-oder gibt. Wichtig ist die Person hinter der Aufgabe. Erfolgreich sind jene Menschen, die das anwenden, was sie können und gerne machen. Herzblut, gepaart mit dem intelligenten Einsatz der unterschiedlichen und notwendigen Fähigkeiten, steigern die Leistung des Mitarbeitenden und somit den Erfolg des Unternehmens.

Passt Ihr innerer Antrieb immer auch mit dem zusammen, was Sie im Beruf antreffen?
Wüst: Ich hatte das Glück, dass ich da arbeiten konnte, wo mein Herz mich hinführte. Im Kurhaus beschäftige ich mich hauptsächlich mit Führung. Und Führung ist branchenunabhängig. Sie hat etwas zu tun mit Menschen, Visionen und Vorbildfunktion. Was es braucht, ist die Leidenschaft für das «Produkt», für das man einsteht, und die Begeisterungsfähigkeit, diesen Antrieb auf seine Mitarbeitenden zu übertragen. Ein starkes Team ist unschlagbar. Schwächelt ein Glied, gilt es, die Schwachstelle zu identifizieren und Dinge zum Besseren zu wenden.

Wie wurde der Begriff «Kurhaus» vor 100 Jahren interpretiert? Und was versteht man heute darunter?
Wüst: Die Unterschiede sind nicht riesig. Früher ging man zur Kur, um, auch prophylaktisch, zu seiner Gesundheit zu schauen. Dies blieb jedoch oftmals nur jenen vorbehalten,
die es sich leisten konnten. Es gehörte fast ein wenig zum guten Ton, mal nicht zu Hause, sondern auf Kur zu sein, und brachte die erwünschte Abwechslung zum Alltag. Heute steht dies allen Personen, unabhängig vom sozialen Status, offen. Man tankt Kraft, macht Ferien und wird postoperativ gesund.

Welche Bedürfnisse müssen heute in einem Kurhaus befriedigt werden?
Wüst: Ein Kurhaus steht für Hotelqualität im mittleren bis gehobenen Standard. Die Therapiemöglichkeiten sind breit gefächert und gehen von verschiedenen Massage-Anwendungen bis zur Ergo- und Physiotherapie. Das Freizeitangebot wird auf das Gastsegment abgestimmt. Ganz oben steht erfahrungsgemäss neben der pflegerischen eine kulinarische Topleistung: Gutes Essen gehört zu den wichtigsten Wünschen der Gäste.

Sie haben keine Hotellerie-Ausbildung und waren auch nicht im medizinischen Bereich tätig. Wieso betraute man Sie mit dieser Herausforderung?
Wüst: Die Geschäftsleitung und das Führen von Menschen sind allgemein gültig und branchenübergreifend. Die fachliche Komponente hingegen wird von den Teams und ihren Teamleitern abgedeckt. Darauf baue und vertraue ich.

Wie sieht das Kurhaus in vier, acht und in zehn Jahren aus?
Wüst: Der familiäre Charme soll beibehalten werden, denn das ist ein unerlässlicher Wohlfühlfaktor. Viele Gäste sind schon seit Jahren Stammgäste für Ferien und Erholung.Die Weiterentwicklung wird in der eingeschlagenen Richtung erfolgen. Die Hotelinfrastruktur wie auch die Dienstleistungen werden weiter ausgebaut. Ich kann mir vorstellen, dass auch im alternativ-medizinischen Bereich noch einige Angebote dazukommen werden. Zudem werden wir die Kapazitäten den wachsenden Besucherzahlen anpassen.

Welche Jobs bieten Sie heute an? Und welche in Zukunft?
Wüst: Wir decken alle Berufe ab, wie sie auch in einem «normalen» Hotelbetrieb anzutreffen sind: Réception, Restaurant, Küche, Hauswirtschaft, Technik. Zudem beherbergen wir als Kurhaus die medizinischen, pflegerischen und die therapeutischen Berufe: Arzt, Pflege, Physio- und Ergotherapie. Dazu kommen noch die Dienstleistungen Coiffeur, Fusspflege und Massage.

Nach der Schliessung im Jahr 2011 und der Wiedereröffnung 2012 war das Kurhaus nicht von Beginn weg auf Rosen gebettet. Wie schaut die Situation aktuell aus? Wohin bewegen Sie sich?
Wüst: Es war nicht einfach, nach der Wiedereröffnung die Gästezahlen in den grünen Bereich zu heben. Wir haben viel in diese Aufbauphase investiert und wohl auch einiges richtig gemacht. Die getroffenen Massnahmen haben das Kurhaus zum Erfolg geführt. Die infrastrukturellen Erneuerungsprojekte wie auch die Prozessverbesserungen sind praktisch abgeschlossen. Wir sind bereit für die gehobenen Ansprüche der Ferien- und Kurgäste.

Obwalden sagt man spirituelle Kräfte nach. Stimmt das?
Wüst: Es gibt wohl kaum jemanden, der nach Obwalden kommt und die wohltuende Wirkung der Landschaft und der traditionellen Werte nicht spürt. Wenn Sie durch unser Haus gehen, einen Moment im Park verweilen, dann wissen Sie, was ich meine. Deshalb behaupten unsere Gäste auch, dass sie bei uns wirklich ihre Quelle der Kraft finden.