Velokurier: Kein gewöhnlicher Job

Job-Storys 06. August 2014
Velokurier: Kein gewöhnlicher Job
Velokuriere sind schnell, zuverlässig und bei jeder Witterung unterwegs: Wer als Kurier arbeiten möchte, braucht jedoch mehr als nur eine gute Kondition, sagt Armin Bühler (41), Geschäftsführer der Velokurier Luzern Zug AG.

Interview: Daniel Schriber
Armin Bühler, wie lange brauchen Sie vom Bundesplatz hinauf ins Kantonsspital?
Bühler: Ich schätze zwischen 8 und 10 Minuten – je nach Anzahl Rotlichter.
 
Das ist sehr schnell. Schafft man das legal?
Bühler: Man muss es legal schaffen, unbedingt sogar. Ein zentraler Punkt unseres Unternehmens ist, dass wir uns an die Verkehrsregeln halten. Wer dagegen verstösst, wird abgemahnt und muss im Wiederholungsfall mit einer Entlassung rechnen. Velokuriere sind keine Verkehrs-Rowdies. Das zeigt auch unsere Unfallquote, die zum Glück sehr tief ist.
 
Trotzdem müssen Sie schnell sein.
Bühler: Wir fahren offensiv, schnell, selbstbewusst – aber stets sicher. Das Hauptziel eines Kuriers ist es, seine Sendung und sich selber sicher so schnell wie möglich von A nach B zu bringen – und das 365 Tage im Jahr, bei jeder Witterung.
 
Gibt es auch heikle Szenen oder Ärger mit anderen Verkehrsteilnehmern?
Bühler: Da wir rund um die Uhr im Verkehr unterwegs sind, kommt es zwischendurch zu Reibungspunkten.
 
Warum sind Sie eigentlich nicht mit E-Bikes unterwegs?
Bühler: Wir haben ein Lastenvelo mit Elektromotor – dieses dient als Ersatz für unsere beiden Autos für schwerere Transporte. Ansonsten sind E-Bikes im Moment kein Thema.
 
Warum nicht? Widerspricht das dem Ehrenkodex der Velokuriere?

Bühler: (lacht) Es hat sicher auch damit zu tun. Vor allem aber ist es im Stadtzentrum nicht praktisch. Wir sind mit unseren Velos viel schneller und wendiger als mit E-Bikes. Kommt hinzu, dass die Lebensdauer der Motoren für unseren Bedarf nach wie vor zu gering ist. 
 
Was muss man mitbringen, um selber Velokurier zu werden?
Bühler: Kondition ist wichtig, natürlich. Vor allem aber sollte man Freude haben am sportlichen Velofahren. Man ist schnell unterwegs und muss mit einem gewissen Zeitdruck umgehen können. Als Kurier muss man zudem bei jedem Wetter in der Lage sein, eine fünfstündige Schicht durchzuhalten.
 
Und sonst?
Bühler: Wichtig sind auch ein guter Orientierungssinn sowie ein schnelles Auffassungsvermögen. Die Aufträge kommen zum Teil während der Fahrt per Funk rein, deshalb sollte man auch im Kopf fit sein. Ganz entscheidend ist zudem, dass man Sympathie rüber bringt und die Marke Velokurier gegen aussen professionell vertritt.
 
Wer bewirbt sich bei Ihnen?
Bühler: Zum grossen Teil sind es Studenten. Es gibt aber auch viele, die einen Hauptjob haben, diesen aber nicht zu 100 Prozent ausführen können oder wollen. Das sind zum Beispiel Lehrer, Grafiker oder allgemein selbständig Erwerbende, die nebenbei 1 – 2 Tage bei uns arbeiten.
 
Wie oft sind ihre Kuriere im Einsatz?
Bühler: Das Minimum sind zwei Schichten pro Woche, das entspricht zehn Stunden. Im Schnitt arbeiten unsere Kuriere 30 bis 40 Prozent.
 
Was verdient man als Velokurier?
Bühler: Die Kuriere werden mit 40 Prozent an ihrem Umsatz beteiligt. Den Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde erhalten alle – die meisten verdienen aber deutlich mehr. Aktuell liegt der Durchschnittslohn bei 26 Franken pro Stunde.    
 
Transportieren Sie alles?
Bühler: Tiere, Menschen und Geld nehmen wir nicht mit.
 
Wie alt ist der durchschnittliche Kurier?
Bühler: Zwischen 25 und 30, es gibt aber auch ältere. Unser ältester Mitarbeiter wird bald 55; und er fährt noch immer drei Mal pro Woche. Wenn jemand fit ist – im Körper und Geist – ist er bei uns willkommen. Wenn man müde wird, wird es gefährlich. Deshalb dauert unsere Schicht auch «nur» 5 Stunden.
 
Wie testen Sie potenzielle neue Kuriere?
Bühler: Wir machen zwei Probefahrten. Bei der ersten Fahrt begleitet der Bewerber einen unserer Kuriere auf der Tour, beim zweiten Mal wird er ins kalte Wasser geworfen und ist allein unterwegs. Wer sich bei uns bewirbt, ist sich in der Regel bewusst, auf was er sich einlässt. Die meisten Kandidaten schaffen deshalb den Sprung ins Team.
 
Wie beurteilen Sie eigentlich Ihren «Arbeitsplatz», das Luzerner Velonetz?
Bühler: Um es vorsichtig auszudrücken: Es ist sicher verbesserungsfähig.