«Man sollte sich nicht zuhause verschanzen»

Job-Storys 14. Mai 2014
«Man sollte sich nicht zuhause verschanzen»
Kein Stau, keine nervenden Kollegen, dafür viel Freiheiten und Platz für Kreativität: Wer von Zuhause aus arbeitet, kommt in den Genuss einiger Vorteile. Bereits zum 5. Mal macht der Home Office Day auf die Vorteile flexibler Arbeitsformen aufmerksam.

Interview: Daniel Schriber
Barbara Josef*, Vor 5 Jahren haben Sie den ersten nationalen Home Office Day durchgeführt. Was hat sich seither geändert?
Josef:
Einiges. Von Jahr zu Jahr haben mehr Leute an unserer Aktion teilgenommen – mittlerweile sind es Hunderte Firmen und viele Tausend Arbeitnehmer.  Wir spüren, dass sich in der Wirtschaft in Zusammenhang mit diesem Thema etwas getan hat.
 
Inwiefern?

Josef: Der Tenor ist klar: Home Office und Arbeitsflexibilisierung sind vielerorts Realität. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden flexible Modelle, um Beruf und Privatleben besser aufeinander abzustimmen und so gleichzeitig die Produktivität zu steigern sowie wertvolle Ressourcen zu schonen.
 
Dann braucht es den nationalen Home Office Day ja eigentlich gar nicht mehr?
Josef: Soweit sind wir leider noch nicht. Flexible Arbeitsformen sind längst noch nicht überall etabliert. Weniger als 20 Prozent der Firmen im wissensintensiven Sektor arbeiten heute schon flexibel, obwohl sie es vom Arbeitsinhalt  her eigentlich könnten. Viele Unternehmen möchten sich aber verändern – genau diese Organisationen möchten wir mit dem Home Office Day eine Hilfestellung bieten.
 
Wer garantiert mir als Chef, dass meine Mitarbeiter zuhause gleich fleissig und effizient arbeiten wie im Büro?
Josef: Sie als Chef müssen Ihren Angestellten vertrauen. Sie müssen sich daran gewöhnen, nicht ständig alle Mitarbeitenden um sich herum zu haben und kurzfristige Anweisungen erteilen zu können. Stattdessen müssten Ziele vereinbart werden.
 
Und das funktioniert?
Josef: Natürlich müssen auch die Mitarbeiter ihren Teil dazu beitragen. Die Angestellten müssen fähig sein, ihre Arbeit selbst zu strukturieren und sich zuhause nicht ständig ablenken zu lassen. Home Office bedeutet auch nicht, dass nebenbei noch Kinder betreut werden. Wichtig ist, dass Sie sich einteilen und fokussieren können.  
 
Welche Tätigkeiten eignen sich für die Heimarbeit, welche nicht?
Josef: Aufgaben wie Planungs- oder Schreibarbeiten gehen daheim oft einfacher von der Hand. Wenn ich mich bei einer bestimmten Arbeit immer wieder mit Kollegen besprechen muss, eignet sich das Home Office weniger. Ich bin kein Fan von Telefonkonferenzen. Stehen Meetings an gehe ich ins Büro – ich möchte wenn immer möglich meine Gesprächspartner persönlich sehen.
 
Wie viele Tage sollte man im Home Office verbringen?
Josef: Ein Tag pro Woche ist für viele ein guter Richtwert. Mehr als zwei Home Office Tage würde ich persönlich nicht empfehlen, da ansonsten die Gefahr besteht, dass man sich von seinem Team abkoppelt. Man sollte sich zuhause nicht verschanzen. Die Mitarbeiter von Microsoft arbeiten im Durchschnitt 1,5 Tage von zuhause aus.  
 
Blicken wir in die Zukunft: Welche Visionen haben Sie, wenn Sie an das Thema Home Office denken?

Josef: Für die Zukunft wünsche ich mir, dass flexible Arbeitsmodelle überall etabliert und anerkannt sind und dass alle Unternehmer verstehen, dass solche Modelle Gold wert sind. Wenn wir so weit sind, braucht es auch den nationalen Home Office Day nicht mehr.
 
* Barbara Josef ist die Leiterin Kommunikation bei Microsoft Schweiz sowie Projektleiterin Home Office Day.
 
Infos zum 5. Home Office Day: www.homeofficeday.ch