Radiomoderator: «Ich habe das Radio-Virus im Blut»

Job-Storys 23. April 2014
Radiomoderator: «Ich habe das Radio-Virus im Blut»
Sein Arbeitstag beginnt dann, wenn andere noch lange schlafen: Trotzdem könnte sich Maik Wisler keinen schöneren Job vorstellen. Zentraljob.ch hat den Moderator der Morgenshow von Radio Pilatus im Studio besucht.

Interview: Daniel Schriber
Um 3 Uhr klingelt in Maik Wislers Wohnung der Wecker. Aufstehen, Kaffee, duschen. Eine Stunde später steht der 32-Jährige im Studio von Radio Pilatus am Luzerner Löwenplatz. Dem Moderator bleiben nun weitere 60 Minuten, um die bevorstehende Morgenshow vorzubereiten. Viele Beiträge stehen schon, trotzdem blättert Wisler vor der Sendung durch die wichtigen Tageszeitungen. «Wir müssen flexibel sein und bei Bedarf auf wichtige Ereignisse reagieren können.»
 
In Schwyz steht ein Polizist vor Gericht, weil er vor einem Jahr einen moldawischen Einbrecher erschossen hat. In Luzern stürzte ein 36-jähriger nach einer Kletteraktion von einem Brunnen und erliegt nach einem Sturz seinen Verletzungen. Das sind die Nachrichten, die an diesem Tag für Schlagzeilen sorgen. Das Wetter? Durchzogen. Sonst ist es ruhig, an diesem Dienstag vor Ostern. Die Ruhe vor dem Stau.
 
Radioberuf im Wandel

5.10 Uhr. «Mic ON» – wenn die rote Lampe leuchtet, gilts ernst. Maik Wisler begrüsst das «Pilatusland» mit einem freundlichen «Guten Morgen». Neuer Tag, neue Morgenshow.
Ganze sieben Bildschirme hat der Moderator vor sich stehen. Mit flinken Handbewegungen steuert er durch die Sendung. Verkehrsinfos, Werbebeiträge, Jingles, Gewinnspiele, Musik. Wisler hat alles unter Kontrolle. «Als ich vor 10 Jahren hier angefangen habe, waren noch zwei Bildschirme», lacht der Moderator. Das Radiomachen habe sich über die Jahre verändert. «Wir arbeiten heute schneller, serviceorientierter, professioneller.» Doch der Kern der Arbeit ist derselbe geblieben: Wislers Job ist es, das Pilatusland zu wecken. Er sagt: «Ich könnte mir keinen schöneren Beruf vorstellen.»
 
Schon als kleiner Junge spielt Maik zuhause «Radiomoderator». Als Radio Pilatus vor vielen Jahren einen Tag der offenen Tür veranstaltet, möchte er am liebsten nicht mehr nachhause. Erste Moderationserfahrungen sammelt er beim Radio Luz, dem internen Sender des Luzerner Kantonsspitals. Es folgt ein Volontariat bei Energy Zürich und anschliessend ein Jahr beim Radio Sunshine. Und dann kam der Anruf aus dem Löwencenter. Für Wisler geht damit ein Traum in Erfüllung. Heute hören ihn jeden Tag rund 200'000 Leute.
 
Wichtigste Show des Tages
Mittlerweile ist es 10 Uhr. Maik Wisler hat seine Arbeit getan und übergibt den Moderationsplatz einem Kollegen. Feierabend hat er trotzdem noch nicht. Zuerst wird die aktuelle Sendung besprochen, dann wird der nächste Tag geplant. Wenns gut läuft, kommt Wisler zur Mittagszeit nachhause.
 
Regelmässig um 3 Uhr aufzustehen, bereitet dem Moderator keine Probleme. «Man gewöhnt sich dran.» Aber ohne Schlaf geht es halt doch nicht. Wenn Wisler am Mittag zuhause ankommt, isst er etwas und braucht dann eine Weile, um herunterzufahren. Dann jedoch übermannt ihn die Müdigkeit. Drei bis vier Stunden Schlaf am Nachmittag müssen sein. «Und eine abendliche Beizentour liegt natürlich auch nicht drin.» Maik Wisler bezahlt diesen Preis gerne, schliesslich ist die Morgenshow die begehrteste überhaupt. Davon träumte der Luzerner, seit er als kleiner Bub im Zimmer Radiomoderator spielte. «Ich habe das Radio-Virus im Blut und das wird hoffentlich immer so bleiben», sagt er. 
 
Übrigens: Während Maik Wisler unter der Woche meistens ganz früh aufsteht, sehen seine Wochenenden oft komplett anders aus. Der 32-Jährige ist nämlich regelmässig als DJ Maik Wisler in den Luzerner Clubs unterwegs. Das sei für ihn keine Arbeit, sondern «Erholung pur», so das Multitalent.