Tipps für eine erfolgreiche Berufswahl

Job-Storys 26. März 2014
Tipps für eine erfolgreiche Berufswahl
Ende Monat öffnen 65 Nidwaldner Lehrbetriebe ihre Tore für interessierte Lehrstellenbewerber. Mit dabei ist auch die Firma Ruag. Deren Leiter Berufliche Bildung, Adrian Heer, rät den Jugendlichen, sich möglichst früh mit der Berufswahl auseinanderzusetzen und nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Interview: Alex Piazza
Herr Heer, wie können Schüler herausfinden, welcher Beruf für sie der richtige ist?
Adrian Heer:
Indem sie breite Informationen über möglichst viele Berufe einholen. Und zwar so früh wie möglich. Das geht heute bequem übers Internet. Wer sich zum Beispiel für einen technischen Beruf interessiert, der findet auf tecmania.ch mit Sicherheit die gewünschten Infos. Wertvolle Hilfe bietet aber auch das BIZ Berufsinformationszentrum in Stans oder die Bildungsmesse zebi, die neu jährlich auf der Luzerner Allmend stattfindet. Neu sind auch die Tage der offenen Tür, die der Nidwaldner Gewerbeverband in Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungsamt demnächst organisiert.

Worum geht es bei diesem Angebot?
Siebt- und Achtklässler haben die Möglichkeit, an zwei Mittwoch-Nachmittagen einen Lehrbetrieb aus der Region zu besuchen. Dort erfahren sie etwas über den Betrieb und bekommen Einblick in die angebotenen Lehrberufe. Die Tage der offenen Türen finden am 26. März und 2. April statt. Unter den 65 Lehrbetrieben, die mitmachen, ist natürlich auch die Ruag.

Wie wichtig ist das persönliche Umfeld im Berufswahlprozess?
Informationen und Beziehungen aus dem Familien- und Freundeskreis sind unbezahlbar. Die wichtigste Rolle im Berufswahlprozess spielen zweifellos die Eltern. Sie haben selber schon mal Erfahrungen in der Berufsbildung gemacht und können ihrem Kind wertvolle Tipps geben. Ratsam ist es auch, wenn sie sich gemeinsam mit dem Kind über einige Lehrberufe informieren. Ausserdem hat jeder Schüler entweder ältere Geschwister, Cousins oder Freunde, die bereits eine Lehre gemacht haben oder mittendrin sind.

Welche Rolle spielen die schulischen Leistungen?
Eine bedeutende. Wenn die schulischen Voraussetzungen, sprich Noten, für den gewünschten Beruf nicht genügen, macht eine Schnupperlehre keinen Sinn. Deshalb sollten sich die Jugendlichen unbedingt im Vorfeld über die Anforderungen eines bestimmten Berufs informieren. Beim Konstrukteur nehmen wir bei Ruag zum Beispiel ausschliesslich Leute mit Sek-A-Niveau. Beim Anlagen- und Apparatebauer reicht ein Sek-C-Abschluss. Mit diesen Kriterien wollen wir niemanden diskriminieren. Wir wollen nur sicherstellen, dass der Lernende später in der Schule mithalten kann.

Wer kommt zu Ihnen zum Schnuppern?
In die Schnupperlehre kommen nur Jugendliche, die sich über die Berufsrichtung im Klaren sind. Soll es ein technischer Beruf sein, gilt es zum Beispiel herauszufinden, was genau der Unterschied zwischen einem Polymechaniker und einem Automatiker ist. Vielen Firmen wäre es auch gar nicht möglich, alle Interessierten zum Schnuppern einzuladen. Die Nachfrage in gewissen Berufen ist enorm.

Welchen Zweck hat eigentlich die Schnupperlehre?
Sie gibt dem Betrieb die Möglichkeit, den Jugendlichen zu begutachten. Ebenso wichtig ist aber, dass der Jugendliche den Betrieb kennenlernt. Wir empfehlen ihm, für die Schnupperlehre ein Tagebuch zu führen. Er soll herausfinden: Ist das wirklich der richtige Betrieb für mich? Kann ich vier Jahre mit diesem Berufsbildner zusammenarbeiten? Diesbezüglich rate ich den Jugendlichen jeweils, während dem Schnupperaufenthalt den Kontakt zu anwesenden Lernenden zu suchen. Diese erzählen offen und ehrlich, was sie über den Betrieb und die Ausbildung denken. Die beiden Parteien kommunizieren sozusagen auf Augenhöhe.

Und was geschieht nach der Schnupperlehre?
Dann gilt es für die Jugendlichen, Bilanz zu ziehen, die Vor- und Nachteile des Betriebs abzuwägen. Ich lege ihnen jeweils ans Herz, zusätzlich ein Feedback vom Betrieb einzuholen. Zum Beispiel indem sie den Berufsbildner fragen: Bin ich für den entsprechenden Beruf geeignet? Wenn er Ja sagt und der Jugendliche selber ein gutes Gefühl hat, steht der offiziellen Bewerbung nichts mehr im Weg.