«Bier brauen ist ein emotionales Geschäft»

Job-Storys 14. März 2014
«Bier brauen ist ein emotionales Geschäft»
In einer kleinen Brauerei im Luzerner Tribschenquartier wird seit vier Jahren das «Luzerner Bier» gebraut. Obwohl die Konkurrenz mit Heineken gross ist, behauptet sich das regionale Bier mit Erfolg. «Doch ohne innovative Ideen geht’s nicht», sagt  Geschäftsführer David Schurtenberger.

Interview: Daniel Schriber
 
David Schurtenberger, Wie kommt man dazu, seine eigene Brauerei zu gründen?
David Schurtenberger: Mit dem Verkauf der Brauerei Eichhof ging für viele Leute die Identifikation mit der regionalen Bierkultur verloren. Dagegen wollte ich etwas unternehmen. Im Frühjahr 2008 gründete ich deshalb mit Freunden den Brauverein Luzern. Kurz darauf begannen wir, unser eigenes Bier zu produzieren – danach ging alles ganz schnell.

Was heisst das?
Schurtenberger: Unser «Luzerner Bier» reichte nicht mal für uns selbst, daher war schnell  klar, dass wir das Hobbybrauen professioneller angehen wollten. Nach zwölf Monaten gründeten wir die Brauerei Luzern AG und brachten über eine öffentliche Aktienkapitalerhöhung die benötigen Mittel innert einem halben Jahr zusammen. Gleichzeitig fanden wir unseren Produktionsstandort in der Tribschenstadt. Am 15. April 2010 konnte unser Braumeister schliesslich den ersten Sud «Luzerner Bier» brauen. Ein grosser Moment!

Warum braucht es überhaupt ein regionales Bier wie Ihres?
Schurtenberger: In Zeiten der Globalisierung nimmt gleichzeitig auch das regionale Bewusstsein der Kundschaft zu. Das ist nicht nur beim Bier so, sondern in vielen anderen Bereichen auch. Viele Leute wünschen sich ein regionales Bier mit eigenem Charakter und sind bereit, für Qualität etwas mehr zu bezahlen. Bier brauen ist aber auch ein emotionales Geschäft.

Wie schwierig ist es, in Luzern als kleine Brauerei neben der grossen Konkurrenz zu bestehen?
Schurtenberger: Es ist eine Herausforderung, klar. Unser Marktanteil beträgt in der Stadt und der Agglomeration Luzern derzeit rund 1,5 Prozent. Es könnte mehr sein, wir müssen aber auch nicht die grossen Massen erreichen. Eine Herausforderung ist es, mit den saisonalen Schwankungen der Nachfrage umzugehen. Während das Geschäft im Sommer gut läuft, bleibt der eine oder andere Tank im Winter auch mal leer.

Sie bieten auch Bierfondue, Biershampoo, einen eigenen Whiskey und sogar einen Bierlieferdienst an: Wie wichtig sind solche Innovationen?
Schurtenberger: Das sind kleine Nebenmärkte, mit denen wir unseren Kunden und Aktionären zeigen können, was sonst noch möglich ist mit Bier. Wer innovativ ist, bleibt im Gespräch, erhält im Idealfall Medienpräsenz.  Da unser Marketingbudget klein ist, sind wir auf solche Aktionen angewiesen. 

Um weiter wachsen zu können?
Schurtenberger: Auch. Im Mai nehmen wir in unserer Produktionsstätte an der Bürgenstrasse drei neue Tanks in Betrieb. Damit wäre ein Marktanteil von 4 – 4,5 Prozent erreichbar.

Dieses Interview wird auf einer Job-Plattform veröffentlicht: Was für Leute arbeiten eigentlich in Ihrer Brauerei?  
Schurtenberger: Zu hundert Prozent sind nur unser Braumeister Udo Remagen und ich als Geschäftsführer bei der Brauerei tätig. An je einem Tag in der Woche hilft uns jemand beim Abfüllen und beim Ausliefern, daneben sind verschiedene Studierende bei uns tätig. Sie machen Kundenführungen durch die Brauerei oder betreuen den Rampenverkauf. Alles in allem sind es zirka 320 Stellenprozente. 


Pflichtfrage zum Schluss: Sie sind in einem guten Restaurant. Wählen Sie Wein oder Bier?
Schurtenberger: Wenn immer möglich, wähle ich das Bier. Es gibt kaum etwas besseres als ein gutes Bier mit einer gewissen Note. Glücklicherweise legt auch die Gastronomie verstärkt Wert auf eine vielfältige Bierauswahl. Mittlerweile gibt es in der Schweiz sogar Biersommeliers – die Bierkultur wird also wieder gepflegt!