Ich will mit keiner Generation tauschen

Job-Storys 26. Februar 2014
Ich will mit keiner Generation tauschen
Im Gespräch mit Joachim Ziegler, CEO des Uhren-Detaillisten Les Ambassadeurs.

Interview: Hanspeter Mettler
Hatten Sie als Kind einen Berufstraum?
Joachim Ziegler: Wie jedes Kind wechselte ich meinen Traumberuf fast täglich: Pilot, Bauer, Schreiner, Superman, Entdecker. Es blieben Träume. Aber wenn ich mir heute unsere Schmuckstücke und Uhren anschaue, dann ist das oft schöner als Träumen.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie nochmals von vorne beginnen könnten?
Ziegler: Je ne regrette rien. Wir sind das Resultat unserer Taten und Entscheidungen. Insofern sind auch alle Fehler und Fehlentscheide ein wichtiger Bestandteil meines Werdegangs.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Ziegler: Dass ich mir Extrawünsche durch harte Arbeit auf dem Bau während meiner Schulferien verdient habe. Ich bin nicht wirklich stolz darauf, aber froh um die Erfahrung.

Ist die Management-Ausbildung auf der Höhe der Zeit?
Ziegler: Eine reine Management-Ausbildung würde Theorie bleiben und zu kurz greifen. Mit unserem dualen Bildungssystem und den durchlässigen Ausbildungswegen verfügen wir jedoch über ein System, das sich bestens bewährt hat. ¨

Wo würden Sie in der Führungsschulung andere Akzente setzen?
Ziegler: Führung lernt man nicht in Schulungen, sondern im Beruf, im Alltag oder in ehrenamtlichen Engagements. Es muss uns gelingen, junge Mitarbeiter gezielt zu fördern,
indem wir sie mit projektbezogenen Führungsaufgaben betrauen und sie schrittweise an grössere Aufgaben heranführen.

Wer hat Sie am meisten gefördert?
Ziegler: Die Eltern sind während der am stärksten prägenden Zeit jedes Menschen die wichtigsten Bezugspersonen. Dieser Titel geht also an sie.

Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Ziegler: Ich bewundere einzelne Leistungen und Wesenszüge, aber eigentliche berufliche Vorbilder habe ich nicht.

Welches sind für Sie die wichtigsten¨Tugenden eines Vorgesetzten?
Ziegler: Vision, Vertrauen und gelebte Verantwortung.

Welche Eigenschaften Ihrer Mitarbeitenden halten Sie für besonders wertvoll?
Ziegler: Ihre Begeisterung für Uhren und Schmuck und die Bereitschaft, für ihre Kunden (fast) alles zu tun.

Was bringen Frauenquoten?
Ziegler: Das ist eine Scheinlösung, die nur Verliererinnen und Verlierer hervorbringt.

Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?
Ziegler: In den Grundzügen sind sie gleich geblieben, aber im Detail bin ich entspannter geworden.

Die Berufswelt sei hektischer, belastender geworden, geht die Klage. Ihre Einschätzung?
Ziegler: Heute ist der Tag, von dem wir später sagen werden, dass damals alles besser gewesen sei. Ich empfehle das Buch «Fleisch und Blut» von Susanna Schwager zur
Lektüre – eine berührende Reise in die Vergangenheit, die mir einmal mehr klargemacht hat, dass ich mit keiner anderen Generation tauschen möchte.

Das Thema Nachhaltigkeit bewegt. Ihr Beitrag, heute und in Zukunft?
Ziegler: Wir bilden jedes Jahr Lehrlinge aus. Das ist unsere Investition in ihre und unsere Zukunft.

Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?
Ziegler: Wir haben die letzten Jahre an unseren Standorten massiv investiert, was sich heute positiv auf unsere Resultate auswirkt.

Worüber haben Sie zuletzt gestritten?
Ziegler: Habe ich schon wieder vergessen – ich bin nicht nachtragend.

Was bedeutet Ihnen Geld?
Ziegler: Die Möglichkeit, Neues zu wagen und zu entdecken, Sicherheit und Unabhängigkeit.

Welches ist der Stellenwert sozialer Netzwerke für Sie, beruflich wie privat?
Ziegler: Diese Netzwerke sind essenziell. Sie bilden einen wichtigen Bestandteil der privaten Zufriedenheit und des beruflichen Erfolges.

Hören Sie auf Ratschläge aus Ihrem privaten Umfeld?
Ziegler: Es wäre bedauerlich, wenn ich auf diese Inputs nicht hören würde. Gerade die Distanz zum Geschäft schafft immer wieder spannende Ansätze.

Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl?
Ziegler: Bauchgefühl, Erfahrung und Fakten zusammen bilden ein unschlagbares Trio – je nach Problemstellung mit unterschiedlicher Gewichtung.

Wo waren Sie jüngst in den Ferien?
Ziegler: In Myanmar – ein Land, das mir wohl für immer in prägender Erinnerung bleiben wird. Und eine Reise in die Vergangenheit, wie sie extremer nicht sein könnte.

Was bringt Ihnen wirklich Erholung?
Ziegler: Auf dem Rennvelo oder beim Langlaufen kann ich wunderbar Stress abbauen und Energie tanken. Ein Wochenende auf dem Segelschiff oder in den Bergen ist Wellness pur.

Worüber können Sie sich ärgern?
Ziegler: Über unüberlegte Schnellschüsse, Unehrlichkeit, fehlende Begeisterung und mangelndes Engagement.

Welchem Satz misstrauen Sie besonders?
Ziegler: «Das haben wir schon immer so gemacht.»

Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?
Ziegler: Wenn wir an den Werten, die uns erfolgreich gemacht haben, festhalten und gleichzeitig offen bleiben für Veränderungen, die nötig sind, bin ich zuversichtlich für
die Schweiz.

Aus welchem Misserfolg haben Sie besonders viel gelernt?
Ziegler: Aus Niederlagen im Sport. Weil sie klar, endgültig und nicht verhandelbar sind.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ziegler: Das plante ich vor fünf Jahren nicht, das plane ich auch heute nicht.