Gesund und schmerzfrei durch den Büroalltag

Job-Tipps 15. Mai 2017
Gesund und schmerzfrei durch den Büroalltag
Rückenschmerzen sind die neue Volkskrankheit der westlichen, entwickelten Länder. Kein Wunder: Der Mensch sitzt zu viel. Essen, Trinken, Unterhalten, Arbeiten, Auto- und Zugfahren, alles wird im Sitzen erledigt.Das kann auf Dauer nicht gesund sein, denn im Sitzen wird der Rücken ungünstig belastet, die unteren Extremitäten werden schlecht durchblutet, und Teile der Muskulatur verkrampfen. Sitzt man dazu noch auf den falschen Möbelstücken (oder einfach nur zu ruhig), werden die Bandscheiben einseitig belastet und verschleißen entsprechend schnell und schmerzhaft.
Das Sitzen ist also das Problem. Nun kann keiner mal eben den Bürojob kündigen und seinen Traum vom berufsmäßigen Erwandern aller schweizer Gipfel (oder ähnlich sportlich ambitionierter Projekte) verwirklichen. Es kommt also darauf an, im Alltag sinnvoll aus dem ungesunden Sitzen heraus in gesündere Haltungen zu kommen.


Rückenschmerzen in Zahlen
In der Bundesrepublik Deutschland sind Rückenleiden der häufigste Grund für Fehltage am Arbeitsplatz. Rückenpatienten verbringen bei jeder benötigten Behandlung im Schnitt 7,6 Tage im Krankenhaus. Auch dann, wenn es nicht um Injektionen oder Operationen geht, sind es noch 6,6 Tage. Die durchgeführten Therapien könnten in vielen Fällen auch ambulant durchgeführt werden. Die Zahlen der Operationen an der Wirbelsäule sind zwischen 2005 und 2010 um 118 % gestiegen, Tendenz gleichbleibend. Und 85 % der Menschen geben an, an Rückenschmerzen zu leiden. Im Jahr 2013 wurden in der Bundesrepublik 455.000 Menschen wegen Rückenleiden stationär aufgenommen. Behandlungen im Krankenhaus bestehen bei Rückenleiden zu einem Drittel aus Operationen, ein weiteres Drittel wird mit Spritzen oder anderen Schmerzmitteln behandelt, das dritte Drittel entfällt auf Computer- oder Magnetresonanztomografien beziehungsweise stationäre Behandlungen, die aus einer Kombination von Physio- und Psychotherapie bestehen. Im Jahr 2008 kosteten Rückenleiden in Deutschland insgesamt 9 Milliarden Euro, nur 15 % der Kosten waren der tatsächlichen Behandlung oder Therapien geschuldet. Der Rest kam durch Lohnausfallkosten und ähnliche Posten zustande.


Bewegung in den Alltag bringen
Vor allem Bandscheibenvorfälle und chronisch gewordene Verspannungsschmerzen verursachen hohe Kosten. Beides lässt sich durch regelmässige Bewegung und rückenfreundliches Sitzen leicht vermeiden. Zuerst soll hier nun auf die Bewegung eingegangen werden. Starres Sitzen schadet dem Rücken, auch wenn "gerade" gesessen wird. Besser ist es, wenigstens dreimal stündlich die Position zu wechseln und abwechselnd leicht vorgebeugt, gerade und zurückgelehnt zu arbeiten. Pausen, gelegentliches Strecken und Laufen sind ebenfalls wichtig, um die Muskeln zu lockern. Wer statt hausinterner E-Mail die Kollegen im Büro besucht, die Treppe anstelle des Aufzugs nimmt und dazu auch mal den Bus eine Station früher verlässt, um ein Stück zu laufen, macht bereits vieles richtig.

Ergonomische Büromöbel helfen ebenfalls. Stuhl und Tisch sollten so eingestellt sein, dass die Unterarme angenehm auf der Tischplatte aufliegen und zwischen Ober- und Unterarmen ein 90°-Winkel besteht. Die Füße sollten ebenfalls aufstehen (Liebe Damen, flache Schuhe tragen!), dabei sollte im Kniegelenk ein 90°-Winkel bestehen. Die Sitzfläche des Stuhls darf komplett ausgenutzt werden, so dass etwa zwei Drittel des Oberschenkels aufliegen. Die Rückenlehne sollte die Wirbelsäule im unteren und mittleren Bereich unterstützen können - gerne auch mal anlehnen, das entspannt. Wer zudem die Möglichkeit hat, teilweise im Liegen, Stehen oder Hocken zu arbeiten, ist im Vorteil: Jede neue Position entspannt erst einmal den Rücken und hilft, Verspannungen vorzubeugen.


Es lohnt auch für den Chef!
Der Umstieg auf eine ergonomisch gestaltete Büroeinrichtung ist nicht so kostenintensiv, wie immer angenommen wird. Höhenverstellbare Stühle und Tische sind in der Regel so hochwertig angefertigt, dass sie seltener ausgetauscht werden müssen als extrem kostengünstige Büromöbel. Dazu kommt, dass sich die Fehltage aufgrund von rückenassoziierten Krankheitsfällen reduzieren, was im Bereich der Lohnausfallskosten Geld spart. Außerdem sind schmerzfreie Arbeitnehmer/-innen in der Regel sehr viel motivierter und damit auch produktiver.